An dieser Stelle finden Sie unveröffentlichte Leserbriefe, eingereicht bei den offiziellen, lokalen Medien (Rheinpfalz):

 

 

"Verkehrte Welt"

 

Nun kommen sie wieder: die Spendenaufrufe der kirchlichen Einrichtungen, Hilfsorganisationen und Umweltverbände.  

Das Fest der Liebe steht vor der Tür und die Spendenfreudigkeit der deutschen Bevölkerung ist hinreichend bekannt.  

Man möchte aus ethisch-moralischen Gründen ja nicht hintenanstehen. Nur kommen mir da einige ernste Gedanken, wenn ich in einem (kirchlichen) Spendenaufruf lese:  

 

„Landraub und Umweltzerstörung bedrohen die Lebensgrundlage vieler Bauernfamilien weltweit. Oft werden Arme von ihrem Landvertrieben, um Platz zu machen für den Anbau von Exportprodukten.  

Als kirchliches Hilfswerk steht die „Organisation“ den Menschen bei, ihr Recht auf Land einzufordern `Land zum Leben – Grund zur Hoffnung´.“ (Zitat)  

- Und was machen unsere Entscheidungsträger in Göllheim?  

 

Wertvolles Ackerland (1000 ha - etwa 10 km²), für den Anbau von Nahrungs- und Futtermittel gedacht, wird zum Anbau von Biomasse (NawaRo) verwendet für eine im Vergleich zu anderen erneuerbaren Energien ineffiziente Agromethangasanlage (`Bio´gasanlage), weil sie ja noch subventioniert wird – mit unseren Steuergeldern.  

 

Deutschland muss jährlich Millionen Tonnen an Getreide importieren und ägyptische Kartoffeln dürfen wir auch essen.  

Mir erscheint dieses schizophren – wir fördern hier den Raubbau in unserer Landschaft und auf der anderen Seite spenden wir für die Landerhaltung in der dritten Welt, gegen die Abholzung von Urwald - und Berglandschaften.  

 

Wenn ich dann noch von einem durchaus intelligenten Menschen höre, dass unser Strom und unsere Grundnahrungsmittel bei uns noch viel zu billig sind, dann bin ich einfach nur noch sprachlos. Wahrscheinlich gibt es bei uns nur noch Reiche und keine Armen mehr – der Alltag lehrt uns jedoch etwas anderes, wenn viele Bedürftige zweimal wöchentlich bei der „Tafel“ anstehen, um ihren täglichen Grundbedarf decken zu können.  

Ich weiß schon lange für wen ich spende – für die „Tafel“- und dies nicht nur zur Weihnachtszeit.

 

Norbert Koch, Göllheim, den 03.12.2012

 

 

Anmerkung Progoellheims: Dieser Leserbrief erschien in leicht abgewandelter Form am 08.12.2012 in der Rheinpfalz, Donnersberger Ausgabe. Ebenso ein weiterer Leserbrief zur Problematik NawaRo-Gasanlage. 

 

 

Ein Bärendienst – für Wen?

 

Die Mitglieder im Gemeinderat Göllheim haben in ihrer Sitzung am Mittwoch, den 19. September die Chance vertan, besorgte und engagierte Mitbürger an einem

Entscheidungsprozess teilhaben zu lassen, der von großer Tragweite für unsere ländliche Region ist. Seit  „Stuttgart 21“ reden die Politiker der Bürgerbeteiligung das Wort. Doch wenn die Nagelprobe ansteht, zieht man sich auf Formalien zurück und errichtet eine verbale Schranke zwischen Zuhörer und Ratstisch. So wurden die zur Sitzung gekommenen Bürgerinnen und Bürger bei Eröffnung der Einwohnerfragestunde von Ortsbürgermeister Hartmüller belehrt, dass keine Fragen zur Tagesordnung und zum Thema Biogasanlage gestattet werden.

 

Die anschließende Art der Abhandlung der 1313 Einwände und Stellungnahmen (die BI Durchblick hat 2000 gezählt) war ein Lehrstück für Politologen, wie man demokratische Willensbildung verkürzt und jeden ernsthaft an kommunaler Beteilung Interessierten verprellt. So bleibt man unter sich!

 

Die Mitglieder des Göllheimer Gemeinderats ignorieren aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse sowie ethische und religiöse Bedenken der Mitbürgerinnen und Mitbürger zum Thema: Nawaro-Biogasanlagen. Mit der Vorbereitung und Schaffung von Baurecht werden Fakten geschaffen, die später kaum noch umkehrbar sind.

 

Anstatt konkret auf die Bedenken und Einwände einzugehen, geben einzelne Ratsmitglieder lediglich Statements ab und offenbaren dabei eklatante Wissenslücken.

So bezeichnet der 1. Beigeordnete der Ortsgemeinde Göllheim, Herr Wolfgang Driedger, der selbst Landwirt ist, die Aussagen in der Stellungnahme der POLLICHIA zu Monokulturen und einseitigen Fruchtfolgen als falsch und bewusste Übertreibung.

Zitat Driedger: „Die POLLICHIA hat sich mit dieser Stellungnahme einen Bärendienst erwiesen.“

 

Hätte Herr Driedger zuvor in seine Unterlagen aus der Landwirtschaftsschule geschaut, hätte er sich in die verfügbaren Agrar-Fachzeitschriften eingelesen, er wäre auf alle Fundstellen gekommen, die in der Stellungnahme der POLLICHIA verwendet und mit Fußnoten belegt sind.  

Die Ertragssicherung in einseitigen Fruchtfolgen wird nur mit einem ständig steigenden Aufwand von Dünger und Pestiziden erreicht. Die Folgen für die Trinkwassergewinnung wird der Verbraucher bezahlen.

 

Wer das Eintreten für eine nachhaltige Wirtschaftsweise, die alle Belange von Natur und Mensch einbezieht, als Bärendienst bezeichnet, der muss sich an seinen Entscheidungen messen lassen. Die Einwohner unserer Dörfer werden in kurzer Zeit wissen, WER hier WEM einen Bärendienst erweist!

 

Auch die von der Verwaltung veröffentlichten Prozentzahlen zur Quote der Gegner der Biogasanlage in den genannten Ortschaften entsprechen nicht der Realität.

Eine Quantifizierung und ein objektives Meinungsbild sind nur mittels einer Einwohnerbefragung möglich. Durch Abstimmungen mit anonymisierten Stimmzetteln in den Dörfern der Verbandsgemeinde erhält der jeweilige Gemeinderat eine Entscheidungshilfe, die kein Ratsmitglied in seiner freien Entscheidung einengt, jedoch die Ansichten der Einwohner unserer Dörfer transparent macht. Die ersten Anträge hierzu, aus den Gemeinden Göllheim, Rüssingen und Weitersweiler, sind an Formfehlern auf dem Antragsformular gescheitert.

 

Die Einwohnerbefragung nach der Kommunalverfassung kann der Gemeinderatin jeder Ortsgemeinde nutzen, wenn für weit reichende Entscheidungen die Bevölkerung eingebunden werden soll.  

Die nächsten Wochen werden zeigen, wie ernst die Sorgen der Bürgerinnen und Bürger unserer Verbandsgemeinde zum geplanten Bau der Biogasanlage von den beteiligten Entscheidern genommen werden.

 

Dabei werden unsere Dörfer für ihre Entwicklung auch in Zukunft jede Hand, die mitgestalten und mit anpacken will, dringend brauchen.

 

Bernhard Schmitt, Weitersweiler 

   

 

Hallo,

 zu dem RHEINPFALZ-Artikel vom 18. Juni 2011 “Biogas-Anlage: Mehr dafür als dagegen” hatte ich am nächsten Tag einen Leserbrief an die RHEINPFALZ-Redaktion gesendet. Leider wurde der Leserbrief bis heute nicht veröffentlicht. Liegt wohl an der Kritik über die Seriosität der redaktionellen Arbeit. Evtl. können sie ja den Inhalt in dieRubrik Leserbriefe aufnehmen und als nicht veröffentlicht kennzeichnen. Und hier der von mir an die RHEINPFALZ gesendeteText....

 

Die Neutralität und das Niveau ihrer Artikel zum Thema Biogasanlage sinken immer weiter.  

Wenn die Rheinpfalz schon eine Umfrage in Auftrag gibt, so sollte diese auch seriös durchgeführt werden.  

Wieso wurden nur Göllheimer Bürger befragt?  

Für die meisten Göllheimer hat der Bau der  Biogasanlage an dem jetzigen Standort gar keine Auswirkungen, deshalb wurde ja der Standort so gewählt. Wären in der Umfrage die Bürger von Esper, Lautersheimund Biedesheim einbezogen worden, wäre mit Sicherheit ein anderes Ergebnis zu erwarten gewesen. 

 

Noch unverschämter finde ich aber die 23 Prozent derer, die zu dem Thema keine Meinung haben, zu den 45,7 Prozent derer die für den Bau sind zu addieren.  

Mit welcher Rechtfertigung? Umgekehrt könnte man auch die 23 Prozent zu den 31,3 Prozent der Gegner hinzuzählen und schon hätte man 54,3 Prozent Gegenstimmen. 

 

Und was um Alles in der Welt sollen in dem Zusammenhang die Fragen nach Personalpolitik? Ich erwarte von einer unabhängigen Zeitung doch mehr objektive Berichterstattung!

 

Gruß,  

 

Markus Salzmann

   

 

Infoabend zur „Bio“-Gasanlage in Göllheim gibt Zerrbild wieder – Aussagen des „neutralen“ Sachverständigen mit Plänen der Firma JUWI nicht deckungsgleich

 

Der Informationsabend zur geplanten Methangasanlage zwischen Göllheim, Lautersheim, Kerzenheim, Biedesheim und Rüssingen am Montagabend, dem 28.03.2011 gestaltete sich im Nachhinein als Verkaufsveranstaltung für die von JUWI geplanten Methangasanlage.  

Deutlich wird dieses anhand der folgenden Punkte:

 

Der Sachverständige, Prof. Dr. Heck vom Umwelt-Campus Birkenfeld ließ es sich nicht nehmen sämtliche Gegenargumente, zusammengefasst in einem „Achtpunkteprogramm“ der Ablehner, ins Lächerliche zu ziehen und vor allem das herauszustellen, was für eine „Bio“gasanlage spricht.  

Schaut man jedoch hinter die Kulissen wird offensichtlich, warum Heck nicht ganz neutral referieren konnte:  

 

Heck steht und stand in direktem und indirektem Kontakt zur Betreiberfirma JUWI bei Forschungsprojekten und wurde, wenn man den Verlauf der Veranstaltung reflektiert, von der Göllheimer VG speziell zur Entkräftung aller Gegenargumente eingeladen - ein Interessenkonflikt seinerseits war somit vorprogrammiert.  

 

Somit ist die eingangs von Herrn Dieter Hartmüller (Ortsbürgermeister) hervorgehobene Neutralität Hecks aufgehoben!   

 

Auf folgende Einsprüche muss man die Öffentlichkeit verweisen:  

Die Ausführungspläne der Erbauer- und Betreiberfirma JUWI für die geplante Anlage sind keinesfalls deckungsgleich mit den Ausführungen Hecks.  

 

Schaut man zwischen die Zeilen, so erkannte man, dass Heck den Betrieb einer Methangasanlage mit sekundärer Biomasse (organische Abfälle / Lebensmittelreste, Grünschnitt, Schwachholz - also Stoffe deren Produktleben dem Ende zugeht) favorisiert und genau dieser Punkt ist auch der Schlüssel zur Entscheidung über den Sinn einer Methangasanlage, der liegt im Betrieb mit nachhaltigen Energieträgern – und nicht wie im Fall Göllheim – vorwiegend mit Ganzpflanzensilage und Energiemais!  

 

Ebenso betont Heck, dass Methangasanlagen wegen ihres fehlenden CO2-Ausstoßes im Vergleich zu fossilen Brennstoffen umweltneutral sind.  

Dieses Argument hinkt ebenso, da durch den ständig wiederkehrenden Pflanzenanbau, An- und Abtransporte und alle damit verbundenen Arbeitsschritte sich die Ökobilanz ins Negative verändert.  

Deshalb muss man auch hier beim Zuhörer richtig stellen, dass der Begriff "Bio"-Gasanlage irreführend ist, weil er suggeriert, es handele sich um eine saubere Technologie!

Unberücksichtigt blieben in Hecks Auslegungen der Flächenverbrauch von Methangasanlagen zu anderen regenerativen Energien. Beim Vergleich der Fotovoltaiktechnologie mit der Methangastechnologie wird die Fläche bei „Bio“-Gasanlagen um den Faktor hundert höher bewertet als bei Freiflächenphotovoltaikanlagen (*); nur diese werden nicht mehr gebaut, da diese nicht mehr subventioniert werden, folglich sind diese für Investoren wie JUWI uninteressant. (* vor Abzug des "Fruchtfolgefaktors“).

 

Ebenso versuchten die Vertreter der Firma JUWI ein beschönigtes Bild der Verkehrsbelastung wiederzugeben:  

Sie zeigten lediglich die Bauernhöfe der Substratlieferanten und Ihre Entfernung zur Anlage auf – nicht jedoch die eigentlichen Produktionsorte (Felder) der Substratlieferanten – Aussagen über das resultierende Verkehrsaufkommen sind somit falsch.   

Gleiches trifft für die Frage nach den letztendlichen Hauptinvestoren zu – auch diese Frage blieben die Verantwortlichen der Firma JUWI den Bürgerinnen und Bürgern an diesem Abend schuldig.

   

Auch Ortschef Dieter Hartmüller konnte, auf die Frage, ob man um die geplante Biogasanlage weitere Industrie ansiedeln wolle – Stichwort Industriegebiet II – nur ausweichend antworten. Was von der Infoveranstaltung übrig bleibt ist eine weitere verlorene Chance den Bürger in dieses Projekt einzubinden und objektiv darüber zu informieren.  

 

Hängen bleibt, dass dem Bürger versucht wurde ein Trugbild vorzugaukeln.  

Der Ortsbürgermeister muss sich die Frage gefallen lassen, welche Daseinsberechtigung solche Veranstaltungen in diesem Fall überhaupt haben – eine kleine unschinbare Einladung erfolgte vier Tage zuvor im Amtsblatt. Aus dem Ablauf der Veranstaltung lässt sich ablesen, dass die Anlage politisch gewollt ist, egal mit welcher Weitsicht, egal mit welchen Mitteln und auf wessen Kosten (Steuerzahler)!  

 

Appell:   

 

Hier ist jeder Bürger gefordert bei der Offenlegung der Pläne gegen diese Anlage schriftlich Widerspruch einzureichen!

 

Daniel Koch, Göllheim