In einem offenen Brief wendet sich die BI Durchblick e.V. an den Bürgermeister als auch die Gemeinderatsmitglieder von Göllheim. Grund: In einer der letzten Gemeinderatssitzungen hatte Herr Bgm. Hartmüller die nunmehr dritte (!!!) Auslegung (Einspruchsphase) zur "Biogasanlage Göllheim Änderung I" (Heilungsverfahren) angekündigt... 

 

 

Sehr geehrter Herr Ortsbürgermeister Hartmüller, werte Mitglieder des Göllheimer Gemeinderats,

 

in den kommenden Wochen wird der Bebauungsplan "Biogasanlage Änderung I" erneut öffentlich ausgelegt.  

Gemäß den Informationen aus der Presse gibt es keine Änderungen in der Konzeption.  

Hunderte Bürgerinnen und Bürger werden erneut  

Einwendungen* gegen das geplante Vorhaben bei der Verwaltung einreichen, die Sie in der Folge abzuwägen haben.  

 

Erneut werden in Göllheim und in den Nachbargemeinden die hitzigen Diskussionen zwischen Befürwortern und Gegnern des Vorhabens aufflackern. Zum dritten Mal müssen sich die Mitglieder des Gemeinderats, vor allem aber mehrere Verwaltungsmitarbeiter, unzählige Stunden mit einem Projekt auseinandersetzen, das mittlerweile sogar vom Initiator selbst in Frage gestellt wird.  

 

Juwi gibt kein klares Bekenntnis mehr für die Biogasanlage Göllheim ab und weicht gezielten Nachfragen der Presse aus. Gemäß den Äußerungen des Pressesprechers werde man "eventuelle Änderungendes EEG in die Planungen mit einbeziehen". Was bedeutet das?  

 

Es gibt derzeit keine Anzeichen dafür, dass an den geplanten drastischen Förderungskürzungen für Biogas aus Agrarerzeugnissen etwas geändert wird.  

 

Auch die Bundesregierung hat mittlerweile den Zielkonflikt mit der Nahrungsmittelherstellung erkannt, solche Vorhaben sind nicht mehr politisch gewollt. Folglich wäre der Betrieb der Anlage mit Mais, Zuckerrüben und Ganzpflanzensilage nicht mehr wirtschaftlich und juwi müsste das Projekt in Göllheim ebenso absagen wie das Vorhaben in Florstadt, Hessen.  

Dannwäre der immense Aufwand für die Verwaltung sinnlos gewesen.

Oder hat juwi bereits ein alternatives Konzept mit anderen Substraten in der Schublade?   

Sollte ein geändertes Substratkonzept vorliegen, warum sucht man dann nicht den Dialog mit den bisherigen Kritikern und informiert die Öffentlichkeit?  

 

Die oft angepriesene regionale Wertschöpfungfür die Landwirte, die ihre Agrarerzeugnisse als Substrate liefern sollten, ist bei den aktuellen und für die Zukunft prognostizierten Preisen nicht gegeben. Es ist viel lukrativer für die Landwirte, ihr Getreide dem eigentlichen Zweck zu zuführen, der Lebens- und Futtermittelherstellung. Auch die mit den langfristig ausgelegten Lieferverträgen verbundenen Risiken haben dazu beigetragen, dass sich viele Landwirte gar nicht oder nur in geringem Umfang beteiligen möchten.

 

Die Gesamtwirtschaftlichkeit dieses Projekts ist vor allem wegen der bevorstehenden Änderungen des EEG stark gefährdet.

Selbst die vom Pressesprecher, Herrn Wächter, genannten Besonderheiten der Göllheimer Anlage in Form der Eigenstromversorgung und Kohlendioxid-Vermarktung haben nur einen geringen Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit des Gesamtkonzeptes.  

Die in Aussicht gestellten Gewerbesteuereinnahmen und Gewinne für Investoren sind daher äußerst kritisch zu hinterfragen.

 

Bei der Kommunalwahl Ende Mai hatte Göllheim die mit Abstand niedrigste Wahlbeteiligung in der gesamten Verbandsgemeinde.

Viele Menschen sind der Wahl fern geblieben aus Frust und Verärgerung über die Abwägung ihrer bisherigen Einwendungen im Göllheimer Gemeinderat.

Sollte Ihnen das nicht zu denken geben?  

 

Mit freundlichen Grüßen,  

 

 

BI Durchblick e.V.

 

 

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