LEITARTIKEL

Tank gegen Teller und Trog

von Eckhard Buddruss

Die Dürre in den USA verdeutlicht, dass der massive Einsatz von Nahrungsmitteln für die Treibstoffproduktion unverantwortlich ist. Auch Deutschland und die EU sollten ihre Bio-Energiepolitik ändern. Biosprit bietet keine bequeme Alternative zu mehr Sparsamkeit und höherer Energieeffizienz.

 

Dass Biosprit zumindest zeitweise als ein Beitrag zum Umweltschutz galt, hat viel mit einem Missverständnis zu tun. Bei anderen Produkten - etwa Bio-Gemüse oder Bio-Wein - steht der Begriff „Bio” für eine Landwirtschaft, die auf chemische Pflanzenschutzmittel und Kunstdünger verzichtet und deshalb zu Recht als umweltschonend gilt. Bei Biosprit bedeutet das „Bio” dagegen lediglich, dass der Kraftstoff pflanzlichen Ursprungs ist, keineswegs aber, dass der Anbau der Pflanzen besonders umweltschonend erfolgt. Ganz im Gegenteil handelt es sich meist um Monokulturen mit hohem Pestizid- und Kunstdüngereinsatz.

 

Auch ein Politiker wie der ehemalige US-Vizepräsident und spätere Friedensnobelpreisträger Al Gore, dem man ein hohes Maß an gutem Willen unterstellen kann, hat Biosprit lange Zeit engagiert befürwortet - nicht zuletzt, weil er damit einer gerade in den USA mächtigen Agrarlobby einen Gefallen tun konnte und somit Verbündete für eine - vermeintlich - „grüne”Politik fand.

 

Solange es darum geht, zusätzliche Absatzmärkte für Agrarüberschüsse zu finden, werden die fragwürdigen Seiten des Biosprits oft wenig beachtet. Werden jedoch- wie derzeit wegen der Dürre in den USA - Agrarprodukte knapp, findet der Konflikt zwischen Tank auf der einen sowie Teller und Trog auf der anderen Seite große Aufmerksamkeit.

Der weltweite Getreideverbrauch für Bioethanol hat sich seit 2006 mehr als verdoppelt. Über 6 Prozent der Ernte landeten 2010 in der Spritproduktion - in den USA sind es noch deutlich mehr.


In den USA, wo über 40 Prozent der Maisernte in die Bioethanolproduktion gehen, verlaufen die Fronten pro und contra Biosprit derzeit quer zu den sonst ideologisch festgelegten Lagern - vor allem wegen akuter Interessengegensätze beispielsweise zwischen Maisfarmern und Viehhaltern, die auf Futter zu tragbaren Preisen angewiesen sind.

 

In Deutschland gibt es derzeit keine akute Mangelsituation. Forderungen nach einem Verkaufsstopp für das Benzin E10, wie sie der bisher nicht gerade als engagierter Umweltschützer aufgefallene FDP-Minister Dirk Niebel erhoben hat, sind deshalb überzogen. Crop Energies, die Bioethanol-Tochter des Mannheimer Südzucker-Konzerns, verweist außerdem zu Recht darauf, dass bei ihrer Bioethanolproduktion als Koppelprodukt ein hochwertiges Futtermittel entsteht :( (???) .

 

Es wird aber immer deutlicher, dass der geplante massive weitere Ausbau der Bioenergie in Deutschland und der EU ein Irrweg ist. Dies gilt sowohl für den Einsatz von Biosprit und Biodiesel als Treibstoff wie für die Biogas-Produktion aus Mais, für die schon rund 30 Prozent der deutschen Maisernte - mit steigender Tendenz - verwendet werden.

 

Eine neuere Untersuchung der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina hat gezeigt, wie unsinnig und ineffizient diese Methoden der Energiegwinnung sind. Die Untersuchung kommt zu dem plausiblen Ergebnis, dass sich die Biogasproduktion weitgehend auf die Nutzung von Abfällen konzentrieren sollte. Im Bioethanol sind nur 0,2 Prozent der ursprünglichen Sonnenenergie verfügbar, bei der Fotovoltaik sind es teilweise immerhin über 10Prozent.

Die neuerliche Biospritdiskussion sollte auf jeden Fall Anlass sein, von einem Irrglauben Abschied zu nehmen: dass Biosprit und Biogas eine bequeme Alternative zu mehr Sparsamkeit und höherer Energieeffizienz sind.

 

Quelle:
Verlag: DIE RHEINPFALZ
Publikation: Donnersberger Rundschau
Ausgabe: Nr.192
Datum:Samstag, den 18. August 2012
Seite:Nr.4
"Deep-Link"-Referenznummer: '9309928'
Präsentiertdurch DIE RHEINPFALZ Web:digiPaper