Stellungnahme Prof. Dr.-Ing. Schanzenbach und Gérad Graf zum Thema "Bio"gasanlage

 

Die im Osten von Göllheim geplante Industrieanlage zur Produktion von Methangas wurde auf der Bürgerinformation am 28.3. hauptsächlich mit folgenden Argumenten beworben:

 

1. Die Anlage leistet einen umweltfreundlichen Beitrag zur Energiewende, d.h. vor allem zum Ausstieg aus der Atomkraft und aus den fossilen Energieträgern  

(Öl und Kohle).

 

2. Die Gemeinde erhält Gewerbesteuereinnahmen und Arbeitsplätze.

 

3. Die ortsansässigen Landwirte erhalten eine zusätzliche Einnahmequelle durch den Anbau der Biomasse-Rohstoffe und einen Absatzmarkt für die auf ihren Höfen anfallende Gülle.

 

So lobenswert die genannten Ziele sind, so falsch sind leider die damit verbundenen Begründungen, was dazu führt, dass genau das Gegenteil von dem erreicht wird, was eigentlich beabsichtigt war.  

 

Diese Behauptung soll nachfolgend näher erläutert werden.Energiewende, Effizienz, erneuerbare Energien Biomasse zur Energiegewinnung verbraucht z.Zt. in Deutschland ca. 1,5 Mio ha Ackerfläche und leistet damit einen Beitrag von ca. 6% zum Energiebedarf.  

Würde man die gleiche Fläche zur Solarstromerzeugung nutzen, könnte man bereits den gesamten Energiebedarf Deutschlands damit decken.  

Noch dramatischer schneidet Biomasse im Vergleich zur Windkraft ab.Selbst optimistische Schätzungen gehen davon aus, dass der Anteil der Biomasse an der Energieerzeugung auf maximal 12% gesteigert werden kann.  

Damit wird auch der zweifellos vorhandene Vorteil der Speicherfähigkeit dieser Energieform unbedeutsam.  

Fazit: Ein schneller Ausstieg aus der Atomkraft muss anders in Angriff genommen werden! 

 

Umweltschutz, Klimaschutz, Nachhaltigkeit

 

Die CO2-Belastung wird durch die Methangasanlage nicht vermindert, da Produktion und Transport von Biomasse und Dünger zusätzlich CO2 erzeugen. Außerdem wird Lachgas freigesetzt, welches eine ca. 300-fache Klimaschädlichkeit wie CO2 besitzt.

 

Die Böden werden überdüngt, das Grundwasser belastet, Schwermetalle werden ausgewaschen, Botulinumtoxin entsteht.Biomasseproduktion steht in unmittelbarer Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion, da beide die kostbare Resource Ackerland verbrauchen.

 

Fazit: Umweltschutz, Klimaschutz und Nachhaltigkeit sehen anders aus! Die einzigen Energieformen, die wirklich das Etikett umweltfreundlich und nachhaltig verdienen sind Sonne, Wind und Wasser!

 

Wirtschaftlichkeit 

 

Der Nutzen für die Gemeinde ist vernachlässigbar.  Die Gewerbesteuereinnahme wird einen 4-stelligen Eurobetrag und die Zahl der Arbeitsplätze eine 1-stellige Zahl nicht übersteigen.  

Demgegenüber sind die Kosten unabsehbar, da die Zerstörung der Straßen und Feldwege durch die Schwertransporte von der Allgemeinheit getragen werden müssen. Die Grundsteuer soll in Kürze bereits angehoben werden.  

 

Auch der Gewinn für die Landwirte ist äußerst fraglich. Zwar wird ihnen vom Betreiber der Anlage für 10 Jahre ein Abnahme ihrer Produkte zugesichert. Diese ist aber nicht aus dessen Gewinnen sondern nur durch immense Subventionen finanziert, die wiederum von der Gemeinschaft der Energieverbraucher und Steuerzahler aufgebracht werden müssen.

 

Fazit: Wirtschaftlichkeit kann man sich auch schön rechnen! 

 

Dorfentwicklung, Landschaftsbild 

 

Ein neues Industriegebiet im Osten Göllheims ist unzumutbar. Die Landschaft wird zerstört und der schöne Anblick von Lautersheim kommend auf das Dorf wird durch die Industrieanlage verbaut. Unser Ort verliert an Attraktivität und Wohnqualität. Die Gefährdung der Anwohner durch den Schwerlastverkehr ist  nicht hinzunehmen. Der Schaden für die Bürger durch die Abwertung von Immobilien und den Verlust an Standortattraktivität ist nicht zu beziffern.Zurzeit liegt der Bebauungsplanentwurf „Biogasanlage“ bei der Verbandsgemeindeverwaltung Göllheim aus. Für die Bürger ist dies die Möglichkeit, Einsprüche dagegen vorzubringen und für die verantwortlichen Kommunalpolitiker noch umzudenken und das Vorhaben nicht zu verwirklichen.

 

Fazit: Bürgerinnen und Bürger wehrt Euch, damit Euer Dorf auch morgen noch liebenswert ist! 

 

Weitere Informationen: www.progoellheim.eu   

 

Gérard Graf,  Professor Dr.-Ing. Schanzenbach 

 

Quelle:  

Wochenblatt Kirchheimbolanden, v. 04.05.2011