Müll aus der Biogasanlage

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In vielen Regionen hat es seit 2006 einen massiven Zubau von Biogasanlagen gegeben, vor allem in Regionen mit intensiver Tierhaltung. Das wird zu einem Problem für das Grundwasser. Denn wenn zu viel Gülle und Gärreste auf die Felder kommt, gelangt Nitrat ins Grundwasser. Das hochlösliche Salz kann sich im menschlichen Körper zu Nitrosaminen umwandeln. Die stehen im Verdacht, Krebs zu verursachen. Um Nitrat im Grundwasser zu vermeiden, sollten nur so viele Nährstoffe aus Gülle und Gärresten auf die Felder ausgebracht werden, wie die Pflanzen aufnehmen können.

Nitrat-Grenzwerte im Grundwasser überschritten

Egon Harms vom Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband beobachtet, dass die Nitratwerte seit 2006 stark steigen, vor allem südlich von Oldenburg, einer Region mit sehr vielen Mastställen und Biogasanlagen. Der Grund: die Zunahme von Biogasanlagen, sagt Harms. Für Plusminus untersucht er das Wasser aus einer Messstelle, die direkt neben einem Maisfeld liegt. Das Wasser enthält 221 Milligramm Nitrat pro Liter – viermal mehr als der gesetzliche Grenzwert von 50 Milligramm. Auch bundesweit liegt der Nitratgehalt an vielen Messstellen über dem Grenzwert. Hoch belastet ist das Grundwasser dort, wo sich Biogasanlagen in der Nähe von Mastställen befinden. Es besteht die Gefahr, dass das an der Oberfläche gemessene Nitrat ins Grundwasser vordringt. Dann dürfte Wasser nicht mehr an Kunden geliefert werden.

Grundwasser in schlechtem Zustand

60 Prozent des Grundwassers in Niedersachsen sind stark mit Nitrat belastet, teilt das Landwirtschaftsministerium Niedersachsen auf Anfrage von Plusminus mit.  Um in Landkreisen mit hoher Viehdichte wie Cloppenburg oder Vechta Gülle und Kot ordnungsgemäß auf die Felder auszubringen, benötige man teilweise das Zwei- bis Dreifache der Fläche.  Mehr als die Hälfte der anfallenden Gülle müsse in andere Landesteile verbracht werden. Geschieht das nicht, kommt es zu einer Überdüngung und damit zu einer hohen Nitratbelastung des Grundwassers. In einer aktuellen Pressemitteilung teilt die EU-Kommission mit, dass die Wasserqualität in Deutschland und Malta am schlechtesten sei.

EU-Richtlinie für Wasser: Verfehlt Deutschland die Ziele?

Es besteht die Gefahr, dass Deutschland die Ziele der sogenannten „EU-Wasserrahmenrichtlinie“ nicht erreicht. Darin heißt es: „Wasser ist keine übliche Handelsware, sondern ein ererbtes Gut, das geschützt, verteidigt und entsprechend behandelt werden muss“. Ziele der Richtlinie: die Verschmutzung des Grundwassers reduzieren, einen guten chemischen Zustand herstellen.

Mehr Biogasanlagen durch Gülle-Bonus

Mit dem Güllebonus bezuschusste die Bundesregierung die Verwendung von Gülle in einer Biogasanlage Das hat zu einer Konzentration von Biogasanlagen in Regionen mit vielen Ställen geführt. Eine Überdüngung muss gesetzlich verboten werden, fordert Professor Friedhelm Taube. Er berät als Sachverständiger die Bundesregierung und leitet das Versuchsgut Lindhof in Schleswig-Holstein. In einer Studie hat er ausgerechnet, wie viel Kuhmist den Gärresten in einer Biogasanlage entspricht. Bei einer 500 Kilowatt-Anlage entsprechen die Gärreste dem Mist von 200 Kühen. Für Schleswig-Holstein heißt das: Die Reste aus den 630 Biogasanlagen entsprechen dem Mist von zusätzlich 150.000 Kühen – ein Viertel des gesamten Gülle-Aufkommens in Deutschland. Taube hat errechnet, dass nach einem gesetzlichen Verbot eine Million Tonnen Gülle und Gärreste pro Jahr aus den Problemregionen in Schleswig-Holstein transportiert werden müssten.

Güllebörsen suchen nach Flächen

Der teure Abtransport per Lastwagen könnte für kleine Betriebe existenzgefährdend sein. Friedrich Ahlers ist Schweinehalter in der Nähe von Oldenburg. Er muss im Jahr 480 Lkw-Ladungen Gülle und Gärreste loswerden. Drei Güllebörsen suchen für ihn nach Flächen, die noch Nährstoffe gebrauchen können. 70.000 Euro kostet es, wenn Gärreste aus einer 500 Kilowatt-Anlage über viele Kilometer abtransportiert werden müssen, so Friedrich Ahlers. Das liege dann am Rande der Wirtschaftlichkeit.

 

Autorin: Alexa Höber

 

Quelle: http://www.daserste.de/information/wirtschaft-boerse/plusminus/sendung/ndr/2013/20131023-Muell-100.html