Biogas-Gegner triumphieren

LAUTERSHEIM: Über 90 Prozent Nein-Stimmen bei amtlicher Einwohnerbefragung

Von Ursula Kaiser-Baldauf

 

Auch wenn die eigentliche Entscheidung in Göllheim getroffen wird:

 

Lautersheim hat ein deutliches Urteil zur geplanten Biogasanlage zwischen den beiden Orten gefällt. Mit einer überwältigenden Mehrheit von 362 Nein-Stimmen zu 29 Ja-Stimmen sprachen sich die Bürger bei einer amtlichen Einwohnerbefragung eindeutig gegen den Bau der Anlage aus.

 

Vom 29. Oktober bis zum 4. November konnten Lautersheimer Bürger ab 16 Jahren abstimmen. Bereits während der Woche wurden Stimmzettel in die beiden Urnen bei der Verbandsgemeindeverwaltung in Göllheim und beim Lautersheimer Bürgermeister eingeworfen. Am Sonntag hatten die Lautersheimer die Möglichkeit, in der Gemeindehalle abzustimmen. Beim Besuch der RHEINPFALZ an diesem verregneten Spätnachmittag kommen nur noch wenige Wähler vorbei und werfen ihre Stimmzettel ein. Die fünfjährige Isabella steckt stolz den Wahlzettel ihrer Oma in die Urne. Einige Wähler bleiben gleich hier, um bei der Auszählung dabei zu sein und warten in der Gaststätte der Halle. Und am Stammtisch dreht sich das Gespräch natürlich um die Biogasanlage.  

 

Im Gegensatz zu „richtigen“ Wahlen gibt es bei der Einwohnerbefragung keine Listen mit einem Wählerverzeichnis, das vor Stimmabgabe abgeglichen werden muss.

Die Bürger können einfach die Wahlunterlagen in die bereit stehende Urne werfen. „Eigentlich müsste niemand vom Gemeinderat hier sein, doch abwechselnd ist immer einer von uns anwesend, als Ansprechpartner und auch zur Sicherheit, dass uns keiner die Urne klaut“, scherzt Ulli Bauer, der am späten Nachmittag „Wachdienst“ hat.

 

Um 18 Uhr werden auch die verplombten Urnen von der Verbandsgemeindeverwaltung und vom Bürgermeister in die Gemeindehalle gebracht. Alle drei werden geöffnet und die Stimmzettel ausgezählt.

 

Das Ergebnis: 92,6 Prozent der Stimmberechtigten votierten gegen die Anlage.

 

Bürgermeister Thomas Mattern – ausgewiesener Gegner der geplanten Anlage – freut sich über die Wahlbeteiligung 

von 72 Prozent: „Die hohe Beteiligung zeigt, dass die Leute großes Interesse an dem Thema haben“, sagt er.

 

„Für uns Gemeinderatsmitglieder ist das Votum der Wähler eine wichtige Entscheidungshilfe. Durch diese geheime Abstimmung wissen wir jetzt genau, dass die große Mehrheit unserer Mitbürger tatsächlich gegen die Biogasanlage ist.

Wogegen eine Hochrechnung, wie sie beispielsweise in Göllheim angestellt wurde, dass alle, die keinen Widerspruch gegen die Anlage eingelegt haben, dafür sind, wohl kaum realistisch ist.“

Auch für Mathias Baade von der Lautersheimer CDU-Fraktion zeigt nur eine solche Einwohnerbefragung, bei der die Anonymität gewahrt bleibt,den wahren Willen der Bürger.

Er hofft, dass das Lautersheimer Beispiel in den anderen betroffenen Orten Schule macht und auch dort für ein solch kontrovers diskutiertes Projekt wie die Biogasanlage die Einwohner befragt werden.

 

 

Ulli Bauer, FWG, ist, wie auch Horst Zengerle von der Wählergruppe Hochstetter, zufrieden mit dem Ablauf der Befragung. Mit einer so kurzen Vorlaufzeit so viele Bürger an die Wahlurnen zu bringen, das spreche für sich. Bauer sagt:

 

„Die Leute legen nicht alle Einspruch gegen die Biogasanlage ein, auch wenn sie dagegen sind. Sie scheuen den Verwaltungsaufwand oder kennen sich nicht mit den Formalitäten aus. Deshalb war es uns so wichtig, den Lautersheimern Gelegenheit zu geben bei der Einwohnerbefragung ihre Ansicht zu äußern.“


Auch die Wahlberechtigten, die am späten Sonntagnachmittag in der Gemeindehalle ihre Stimmzettel einwarfen, äußerten sich überwiegend positiv zu dem Befragungsverfahren. Stimmen wie: „Schön, dass wirgefragt werden“, „Ich finde es toll, dass die Gemeinderäte die Bevölkerung mit einbeziehen“ oder „Es ist richtig, dass alle Bürger gehört werden und ihre Meinung dem Rat wichtig ist“ zeigen, dass die Lautersheimer es schätzen, zu dem Thema gehört zu werden – wenn auch nicht alle ihren Stimmzettel so stolz in dieUrne einwerfen wie Isabella den von ihrer Oma.


Quelle:
Verlag: DIE RHEINPFALZ
Publikation: Unterhaardter Rundschau
Ausgabe: Nr.258
Datum:Dienstag, den 06. November 2012
Seite:Nr.15
"Deep-Link"-Referenznummer: '91_5480819'
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