Zum Informationsabend „BIO“-Gasanlage Göllheim

 

Methangasanlage zwischen Göllheim, Lautersheim, Kerzenheim, Biedesheim und Rüssingen fanden sich sehr viele Besucher ein, weniger wegen einer kleinen und kurzfristig erfolgten Einladung des Amtsblattes, vier Tage zuvor, sondern aufgrund einer Flugblattaktion, welche an die Haushalte der verschiedenen Ortschaften gerichtet war

 

Die Gruppe, welche diese Aktion ins Leben gerufen hatte und im Vorfeld des Infoabends ein „Achtpunkteprogramm“, zur Relativierung der Standortfaktoren einer Methangasanlage in Göllheim initialisierte, überzeichnete in ihren Ausführungen zwar etwas, konnte jedoch für die Details der Schlüsselfaktoren sensibilisieren, welche über Sinn und Unsinn dieser Methangasanlage entscheiden.

 

Zugleich forderten sie den „neutralen“ Referenten Heck * ein ums andere Mal zum Widerspruch heraus.

Das `Warum’ wird für den unbeteiligten Zuhörer erst dann deutlich, wenn er weiß, dass Heck in direktem Kontakt mit der Betreiberfirma JUWI bei Forschungsprojekten steht - ein Interessenkonflikt seinerseits war somit absehbar.

 

Somit ist die eingangs von Herrn Dieter Hartmüller (Ortsbürgermeister) hervorgehobene Neutralität Hecks aufgehoben.   

 

Den Ausführungen zweier Vertreter der Firma JUWI merkte man eine Unsicherheit bei ihren Ausführungen zur Planung an – der Zuhörer konnte erkennen, dass die Betriebspläne für die Anlage keinesfalls deckungsgleich und zum Teil in auffallendem Widerspruch zu Hecks Ausführungen standen. 

 

Anzumerken bleibt, dass Heck den Betrieb einer Methangasanlage mit sekundärer Biomasse favorisiert! **   

Dies ist auch ein Schlüssel zur Entscheidung über den nachhaltigen Betrieb einer Methangasanlage, diese liegt u.a. in deren Beschickung mit nachhaltigen Energieträgern (sekundäre Biomasse: organische Abfälle / Lebensmittelreste, Grünschnitt, Schwachholz - also Stoffe deren Produktleben dem Ende zugeht)  

– und nicht wie im Fall Göllheim – vorwiegend mit Ganzpflanzensilage und Energiemais.  

 

Ebenso verneinte Heck den erhöhten Preisdruck durch die Konkurrenzsituation zwischen Energiepflanzenanbau und Nahrungsmittelanbau. Hierzu äußerte sich Heck folgendermaßen: „Je mehr Biogasanlagen in Deutschland entstehen, desto besser für die Bauern in den Entwicklungs- bzw. Schwellenländern“, da dann die Bauern in der dritten Welt in die Lage versetzt würden, zu konkurrenzfähigen Preisen für den Weltmarkt zu produzieren. Jedoch geht es bei dem Einwand der steigenden Brotpreise nicht um die Produzenten sondern um die Konsumenten in der dritten Welt, die jetzt oft schon nicht mehr in der Lage sind die Preise für Grundnahrungsmittel zu zahlen.  

 

Ebenso äußert Heck, dass Methangasanlagen wegen ihres fehlenden CO2-Ausstoßes im Vergleich zu fossilen Brennstoffen umweltneutral sind. Dieses Argument hat jedoch nur auf den ersten Blick Bestand, da durch den ständig wiederkehrenden Pflanzenanbau, durch An- und Abtransporte und alle damit verbundenen Arbeitsschritte sich die Ökobilanz zum Negativen verändert.  

 

Deshalb muss man auch beim Zuhörer richtig stellen, dass der Begriff "Bio"-Gasanlage irreführend ist, weil er suggeriert, es handele sich um eine saubere Technologie! Unberücksichtigt blieben in Hecks Auslegungen der Flächenverbrauch von Agromethangasanlagen zu anderen regenerativen Energien. Beim Vergleich der Photovoltaiktechnologie mit der Methangastechnologie ist der Flächenverbrauch bei „Bio“-Gasanlagen um den Faktor zweihundert (*) höher als bei Freiflächenphotovoltaikanlagen; nur diese werden nicht mehr gebaut, da diese nicht mehr subventioniert werden. (* vor Abzug des „Fruchtfolgefaktors“)

 

Leider möchte Frau Bundesagrarministerin Aigner (CSU) erst ab 2012 die Vergütungsregelungen im EEG kürzen, somit wird von industrieller Seite her versucht so viele Methangaskraftwerke (vgl. Göllheim) wie nur möglich bis Jahresende 2011 zu erstellen.  

 

Ein Fehler unterlief den Vertretern der Firma JUWI bei der Ausweisung der Produktionsflächen der Substratlieferanten -  lediglich die Bauernhöfe und deren Entfernung zur Anlage wurden aufgezeigt – unberücksichtigt blieben jedoch die letztendlichen Produktionsorte (Felder), d.h. dass diese Darstellung maßgeblich zu einer Verharmlosung des gesamten Verkehrsaufkommens  

(An- u. Ablieferverkehr) beitrug.  

Produktionsorte bzw. Produktionsflächen (Pachtflächen) wurden nicht aufgezeigt, demzufolge lässt sich ein schlüssiges Verkehrskonzept und die damit einhergehende Verkehrsbelastung durch die einzelnen Ortschaften schlichtweg nicht erkennen.  

 

Gleiches trifft auf die Frage nach den letztendlichen Hauptinvestoren zu – auch diese Frage blieben die Verantwortlichen der Firma JUWI den Zuhörern an diesem Abend schuldig.

 

Heck fügte seinen abschließenden Ausführungen hinzu, dass die Anlage in Göllheim „eine der Besseren sei“ – wie auch immer die Bürgerinnen und Bürger diese Aussage und Informationen an diesem Abend werten, sie müssen nun selbst entscheiden, welche Argumente sie für die Richtigen erachten und ob sie eine solche Anlage befürworten oder ggf. bei der Offenlage der Pläne, Einspruch erheben.

 

Das Gleiche gilt für alle umliegenden Ortsgemeinden, sie sind ebenfalls aufgerufen sich selbst zu informieren und ggf. ihre Einsprüche gegen diese Anlage einzulegen. Abschließend kann man sagen, dass es schwierig werden wird diese geplante Anlage nachhaltiger zu gestalten, denn sie ist in dieser Form  politisch gewollt - egal um welchen Preis, ökologisch wie ökonomisch.                     

Wolfgang Waltgenbach & Daniel Koch

 

 

Quelle: Wochenblatt Kirchheimbolanden, vom 06.04.2011

 

*  Hinweise Progoellheims: vgl. Pollichia - Dr. S. Ohlinger  zu Prof. Dr. Heck  

      zu finden unter: Download Wissenswertes 

** Dass Heck Biogasanlagen befürwortet, welche mit sekundärer Biomasse  

      betrieben werden, zeigen auch zahlreiche Video-Beitäge auf der  

      Internetplattform Youtube, im Übrigen wird  

      die Biogasanlage des Umwelt-Campus Birkenfeld auch lediglich mit      

      sekundärem Biomaterial betrieben...

 

 ein Leserbrief unsererseits "Infoabend gibt Zerrbild wieder..."  

      wurde von der Rheinpfalz Lokal. Red. Kirchheimbolanden nicht   

      berücksichtigt