Auf dieser Seite finden Sie viele von uns gesammelte Beiträge von Agromethangasbefürwortern auf welche wir uns z.T. bei unseren Beiträgen beziehen. Um den jeweiligen Beitrag lesen zu können scrollen Sie einfach auf dieser Seite nach unten - Danke!  

 

Erneuter Abwägungs-Marathon

 

GÖLLHEIM: Gemeinderaterneuert einstimmiges Votum für Biogas-Bebauungsplan

 

Am Donnerstag beschloss der Gemeinderat den Bebauungsplan für die Biogasanlage Göllheim erneuteinstimmig als Satzung. Vorausgegangen war eine nochmalige Abwägung der Anregungen und Bedenken aus der wiederholten öffentlichen Auslegung. Dieses „ergänzende Verfahren“, dem keine Planänderung zugrunde lag, war wegen veränderter Rechtslage erforderlich.

Der Rat entschied über 1.823 Stellungnahmen. Zwar gingen während der jüngsten Auslegung „nur“ 160 Stellungnahmen ein, aber wegen der Neuaufnahme des Verfahrens wurden auch die Einwände und Bedenken von 2012 erneut behandelt. Von den 160 Anschreiben, die neu eingingen, trug Martina Leidinger von der Bauabteilung vor, hätten 112 ihre Bedenken von 2012 bestätigt und 48 neue Einwender (19 aus dem Raum der VG Göllheim, 29 darüber hinaus) eine Stellungnahme abgegeben. Zum Verfahrensablauf erläuterte Leidinger, dass über 1700 Personen im Wesentlichen Vordrucke gleichen Inhalts eingereicht hätten. Deren Einwände und Bedenken würden, in Schwerpunkten zusammengefasst, zusammengenommen behandelt werden. Soweit handschriftliche Ergänzungen vorlägen, würden diese anschließend individuell abgewogen. Zwei weitere Blöcke enthielten individuelle Stellungnahmen und solche durch Rechtsanwälte, die jeweils einzeln behandelt würden.

 

So kamen alle Argumente gegen die Biogasanlage und ebenso ihre Zurückweisung wie bei den vorausgegangenen Abwägungen nochmals zur Sprache. Das Themenspektrum reicht von ethischen Bedenken gegen den Einsatz von Nahrungsmitteln zur Energiegewinnung über die Umweltaspekte des Maisanbaus bis hinzu konkreten Auswirkungen von Bau und Betrieb einer Biogasanlage: Verkehrsprobleme, mögliche Geruchsbelästigungen und Gefährdungen, Auswirkungen auf Landschaftsbild, Tourismus und Immobilienwert.

 

Wie bei den früheren Abwägungen folgte der Rat den Beschlussvorschlägen der Verwaltung. Wortmeldungen der Ratsmitglieder waren selten und eher Anmerkungen. Vehementen Widerspruch des Beigeordneten Wolfgang Driedger forderte jedoch der Punkt „unverschämtes und dekadentes Vorgehen der Behörden … Misstrauen in die politischen Entscheidungsträger der Ortsgemeinde Göllheim inklusive Verdacht auf eigene Vorteilsnahme“ heraus.  

Es sei unverständlich und unverschämt, wie man zu solchen Unterstellungen komme, so Driedger. Doris Hartelt (Grüne) merkte an,dass sich die Frage des Misstrauens durch das in der Kommunalwahl zum Ausdruck gebrachte Vertrauen der Wähler in ihre Ratsvertreterer übrige.

 

Änderungen an der Planung ergaben sich aus dem mehrstündigen Abwägungsmarathon nicht.

Ortsbürgermeister Dieter Hartmüller stellte klar, dass es sich beim Bebauungsplan Biogasanlage Göllheim um eine „Angebotsplanung“ handele. Sie sei nicht automatisch an einen bestimmten Investor gekoppelt. Auch ein anderer Investor sei möglich. Zusätzlich unterstrich Hartmüller, dass es bisher keine finanziellen Nachteile für Göllheim gebe. Zum Windrad im Energiepark Göllheim erklärte er, dass alle Ausgleichszahlungen fristgerecht eingegangen seien.

 

Zum Ende des Jahres soll die Erschließung der Baugebiete „Süd X“ und „Süd VIII“ ausgeschrieben werden. 2015 soll dann gebaut werden. Parallel ist der Endausbau von „Süd IX“ vorgesehen. Für „Süd X“, wo eine Teilerschließung geplant ist, gebe es schon Reservierungen, so Hartmüller. Die Bauplätze sind zwischen 400 bis 500 Quadratmetergroß. Der entscheidende Punkt der neuen Planung ist die Verkehrsanbindung an die Landesstraße. Von der Abbiegerspur und der damit verbundenen Tempobegrenzung auf 70 Stundenkilometer erhofft man sich eine Verkehrsberuhigung von Kerzenheim her.

 

In „Süd VIII“, wo es laut Hartmüller ebenfalls Reservierungen gibt, geht es um eineUmplanung. Aus den ursprünglich sehr großen Grundstücken sollenmit 550 bis 800 Quadratmetern mittelgroße Parzellen entstehen.Umgeben wird das Baugebiet mit einer Obststreuwiese. Sie ist alsAusgleichsmaßnahme für das Windrad im Energiepark geplant. Der Bebauungsplan „Am Wingertsberg“ betrifft ein Wohnhaus und eineHalle mit landwirtschaftlicher Nutzung. Er wird erforderlich, weileine Bebauung ohne Bebauungsplan nicht möglich ist, wie PeterFischer vom gleichnamigen Büro in Mannheim ausführte.

 

Die Eröffnung derAusstellung von Uta Schade in der kleinen Galerie findet am Mittwochum 19 Uhr statt. Am Dienstag, 5. August, wird der barrierefreieWanderweg um 16 Uhr an der Pfälzerwaldvereinhütte eröffnet. (til)

 

Quelle:

Die Rheinpfalz -Donnersberger Rundschau - Nr. 171

Samstag, den 26. Juli 2014

 

Juwi will Biogasanlage ab Frühjahr bauen

GÖLLHEIM/LAUTERSHEIM: Genehmigung nach Bundesimmissionsschutzgesetz erteilt– Lautersheim legt voraussichtlich Widerspruch ein

Der Bau der Göllheimer Biogasanlage wurde jetzt nach Bundesimmissionsschutzgesetz genehmigt. Im Frühjahr 2014 will der Projektentwickler Juwi, wie er in einer Pressemitteilung informiert, mit dem Bau beginnen. Anhängig ist allerdings noch die Normenkontrollklage der Gemeinde Lautersheim.

Deren Ortschef will voraussichtlich Widerspruch gegen die so genannte Bimsch-Genehmigung einzulegen. Aleksey Atanasov, zuständiger Projektmanager bei Juwi, und sein Team beschäftigen sich laut Pressemitteilung derzeit mit Möglichkeiten der regionalen Beteiligung und der Zusammenstellung des Pflanzensubstrats, mit dem die Anlage gefüttert werden soll.  

Ziel sei es, „ein Beteiligungsmodell für die Region zu schaffen“. Durch Bau und Betrieb in Kooperation mit Betrieben und Landwirten aus dem Raum Göllheim entstehe, so Juwi, in der Region eine jährliche Wertschöpfung durch den Substrateinkauf von rund 1,4 Millionen Euro. Das Unternehmen präzisiert nun auch die Substratzusammenstellung für die Anlage. Demnach soll nur etwa die Hälfte der Pflanzenmenge, die zu Gas vergoren wird, aus Mais bestehen, der Rest setze sichaus Rüben, Blühpflanzen und einer Art „Energiegras“ zusammen.

Der Energiepark Göllheim wird aus der Biogasanlage, einer Solardachanlage undeinem 2,3 Megawatt starken Windrad bestehen. Es soll über eigene Stromkabeldirekt mit der Anlage verbunden sein. Der Windstrom deckt laut Juwi den Eigenstrombedarfder Biogasanlage, Überschuss wird ins örtliche Stromnetz eingespeist. „Dadurch versorgt sich unsere Gemeinde künftig selbst mit Strom und Biogas“, so Ortschef Dieter Hartmüller.

Der Lautersheimer Bürgermeister Thomas Mattern (SPD) kündigte gestern an, die Genehmigungsunterlagen zunächst genau in Augenschein zu nehmen. Von Blühpflanzen und „Energiegras“ höre er in Zusammenhang mit der geplanten Anlage zum ersten Mal. Die von Mattern besonders kritisierte Ganzpflanzensilage erwähnt Juwi hingegen in der aktuellen Pressemitteilung nicht. Dennoch rechnetder Bürgermeister damit, dass die Gemeinde Lautersheim Einspruch gegen die Genehmigung einlegt, nachdem sie bereits eine Normenkontrollklage angestrengt hat. Derzeit prüfe das Oberverwaltungsgericht in Koblenz noch die Rechtmäßigkeit der Klage, so Mattern. (red/zin)

 

Quelle:
Verlag: DIE RHEINPFALZ
Publikation: Unterhaardter Rundschau
Ausgabe: Nr.260
Datum: Samstag, den 09. November 2013
Seite: Nr.17
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Fortsetzung folgt am Montag

Göllheim: Beschluss des Verbandsgemeinderats zu Flächennutzungsplan erneutaufgeschoben – Thomas Mattern spricht sich gegen Windenergiepark im GöllheimerWald aus

GÖLLHEIM.

Die endgültige Fortschreibung des Flächennutzungsplans der Verbandsgemeinde Göllheim wurde am Montag noch einmal aufgeschoben. Nachdem Stefan Weil um 21.30 Uhr darauf aufmerksam gemacht hatte, dass sich die Sitzung des Verbandsgemeinderates, bis alles abgearbeitet sei, wohl noch bis Mitternacht hinziehen würde, wurde auf Vorschlag von Bürgermeister Klaus-Dieter Magsig (FWG) der Abstimmungsmarathon gegen 22 Uhr unterbrochen. Die Sitzung wird auf einstimmigen Ratsbeschluss am kommenden Montag fortgesetzt.  

 

Die Fortschreibung des Flächennutzungsplans betrifft den Bereich regenerative Energien. Im Einzelnen geht es um den Energiepark Göllheim, die Biogasanlage Göllheim, den Energiepark Albisheim und den Windenergiepark im Göllheimer Wald. Für sie gibtes bereits rechtskräftige Bebauungspläne, wie Fachbereichsleiter Ronald Zeltmitteilte. Hinzukommen die Windparks Kahlenberg und Rüssinger Berg, eineGroßflächen-Fotovoltaikanlage auf dem Dyckerhofgelände „Hohe Benn“ bei Göllheimund die Biogasanlage Albisheim.

Für weitere punktuelle Fortschreibungen des Flächennutzungsplans fasste der Rat einstimmig Aufstellungsbeschlüsse. Dabei geht es um Erweiterungen des Energieparks Albisheim und des Windenergieparks Rüssinger Berg, wo die Flächenausweitung einer Optimierung des Standorts im Zusammenspiel mit den Nachbargemeinden Marnheim und Albisheim dient.

Wie bei den vorausgegangenen Abwägungen der Stellungnahmen von Behörden,

Trägern öffentlicher Belange und Öffentlichkeit zur geänderten

Flächennutzungsplanung wurden auch am Montag die vorgebrachten Argumente undihre Würdigung einzeln verlesen und abgestimmt. Um „keine Fehler zu machen“, zog Magsig eine Verkürzung des zeitraubenden Verfahrens erst gar nicht in Betracht. Vor dem Hintergrund der umstrittenen Göllheimer Biogasanlage geht es darum, dass alle Verfahrensschritte einer möglichen juristischen Überprüfung standhalten.

 

  

In der Sache führte die Abwägung der Stellungnahmen bis zur Sitzungsunterbrechung zu keiner Planänderung. Die große Ratsmehrheitbestätigte den eingeschlagenen Weg. Gegenstimmen und zum Teil Enthaltungen gabes zu einzelnen Punkten von Helmut Krauß, Thomas Mattern (beide SPD), Kirsten Knuth und Monika Schimmelpfennig (beide Grüne).


Mattern lehnte wie schon zuvor die Planung von Biogasanlagen, die mit eigens angebauten Energiepflanzen – wie Mais – betrieben werden, ab. Krauß, der sich bei der ersten Abwägung für die Biogasanlage Göllheim im Zusammenspiel mit Windkraftnutzung und Speichertechnik ausgesprochen hatte, wandte sich gegen die Planung von zwei Anlagen auf dem kleinen Gebiet der VG. Mattern widersprachaußerdem grundsätzlich dem Windenergiepark im Göllheimer Wald (nicht der Windenergienutzung an geeigneten Standorten). Gegenstimmen im Zusammenhang mitdem Waldstandort machten bei Knuth und Schimmelpfennig größer gewordene Bedenken deutlich. Mattern stimmte auch gegen die Großflächen-Fotovoltaikanlage „Hohe Benn“. (til)

 

Quelle:
Verlag: DIE RHEINPFALZ
Publikation: Unterhaardter Rundschau
Ausgabe: Nr.258
Datum: Donnerstag, den 07. November 2013
Seite: Nr.18

Anmerkung: Auf dieser Seite finden Sie mehrere Artikel, welche von Befürwortern der Nawaro-Agromethangastechnologie verfasst wurden und auf welche wir uns z.T. bei unseren Kommentaren bezogen haben. 

Biogas schuld am Welthunger?

GÖLLHEIM: Argumente der Biogasgegner und die Antworten der Verwaltung (1)

Mehr als 1800 Einzeleinsprüche von Bürgern gegen die geplante Biogasanlage sind bei der Verwaltung eingegangen. Trotz dieser großen Zahl wurden alle Einwände von der Verwaltung beantwortet – und vom Ortsgemeinderat ausnahmslos abgelehnt * (wir berichteten). Die RHEINPFALZ fasst in einer kleinen Serie die wichtigsten Argumente der Biogasgegner und die entsprechenden Antworten der Verwaltung zusammen.Eines der am häufigsten geäußerten Argumente der Biogasgegner ist, dass es unethisch sei, Energiepflanzen statt Lebensmittel anzubauen, vor allemvor dem Hintergrund, dass anderswo in der Welt Menschen hungern müssten. Der Gemeinderat ist indes der Ansicht, dass das eine mit dem anderen nichts zu tun hat. In der Stellungnahme der Verwaltung, der sich der Gemeinderatangeschlossen hat, wird darauf hingewiesen, dass genügend Anbauflächen sowohlfür Nahrungsmittel als auch für Energiepflanzen zur Verfügung stünden.Dabei beruft sich die Verwaltung nicht nur auf ein Gutachten von Professor Peter Heck vom Umweltcampus in Birkenfeld, in dem von einem bundesweiten Potenzial von rund einer Million Hektar für den Energiepflanzenanbau die Rede ist, sondern auch auf Aussagen der Bundeszentrale für politische Bildung und der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft. Weiter heißt es: „Preisentwicklung und Nahrungsprobleme vieler Menschen in der Dritten Welt werden bestimmt durch Spekulation und die allgemeine Entwicklung der Weltwirtschaft und nur marginal durch deutsche Biogasanlagen.“ Hungerursachen seien ferner Klimawandel, unfaire Handelsbedingungen, Wassermangel oder auch die soziale Schieflage in den betroffenen Ländern. In der Abwägung kommt der Gemeinderat zu dem Ergebnis, „dass der Anbau von Energiepflanzen für die Biogasanlage Göllheim ethisch vertretbar ist“, heißt es zum Schluss.


Auf das Argument, die Anlage trage zu steigenden Lebensmittelkosten bei, heißtes, diese Behauptung werde „nicht geteilt“. Der Weizenpreis sei in jüngererZeit „über 100 Euro pro Tonne gesunken, obwohl viele weitere Biogasanlagen in Betrieb gingen“. Preisentwicklungen würden bestimmt durch die allgemeine Entwicklung der Weltwirtschaft, klimatische Bedingungen in den Anbauregionensowie Spekulation. (ajh)


Quelle:
Verlag: DIE RHEINPFALZ
Publikation: Donnersberger Rundschau
Ausgabe: Nr.74
Datum: Donnerstag, den 28. März 2013
Seite: Nr.14
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* Anmerkung Progoellheims: ein solches Ergebnis spricht für sich... 

Positives Zeugnis vom Umweltfachmann

GÖLLHEIM/BIRKENFELD: Gutachten* von Peter Heck vom Umwelt-Campus Birkenfeld befürwortet den Bau einer Biogasanlage

Von Anja Hartmetz

 

Gegen die in Göllheim geplante Biogasanlage gibt es organisierten Widerstand.Die Gegner, darunter zwei Bürgerinitiativen**, versuchen das Genehmigungsverfahren noch zu stoppen, unter anderem, indem sie eine ganze Reihe schriftlicher Einwände bei der Verwaltung eingereicht haben, über die inder Ratssitzung am Mittwoch und Donnerstag entschieden wird. Die Ortsgemeinde hat ihrerseits bei Professor Peter Heck vom Umwelt-Campus in Birkenfeld ein Gutachten in Auftrag gegeben, das die Gründe für und wider *** die Anlage unter die Lupe nimmt. Unterm Strich kommt der Umweltwissenschaftler zu einem für die Planer positiven Ergebnis.

 

Das Vorhaben der Firma Juwi, in Göllheim eine Biogasanlage zu errichten, wird seit Bekanntwerden der Pläne von heftigen Protesten begleitet. Gegner der Anlage stellen unter anderem den Nutzen von Biogas für die Energiewende in Frage, stellen einen Zusammenhang zwischen Biogasanlagen und Lebensmittelknappheit in der Dritten Welt her und warnen vor den ökologischen Folgen von Mais-Monokulturen, die im Umkreis von Biogasanlagen unvermeidlich seien. Der Fachmann aus Birkenfeld zeichnet in seinem Gutachten indes ein deutlich differenzierteres Bild. Zwar räumt er eingangs der Untersuchung ein, dass es „vernünftige und seriöse Argumente von Biogasgegnern“ gebe, mit denen man sich sehr sorgfältig auseinandersetzen müsse. Im Fall Göllheim ist sein Fazit aber sehr klar: Das Vorhaben sei „aus ökologischen und ökonomischen Gründen zu befürworten“.  

(Anmerk. Progoellheims: Schauen Sie sich diesen Link an und Sie werden sehen, was Heck unter Ökonomie versteht und welche Rolle bei ihm Ökologie spielt...) und  Das Gutachten stellt die Hauptargumente der Biogasgegner auf den Prüfstand. Vor allem der sogenannten Tank-oder-Teller-Diskussion, also der Frage, ob es gerechtfertigt sei, Pflanzen, die eigentlich der Ernährung dienen sollten, zur Gewinnung von Energie zu vergasen, widmet Heck viel Raum. Dabei kommt er zu dem klaren Ergebnis, dass die Biogasanlagen in Deutschland nicht für den Hunger in der Welt verantwortlich gemacht werden können.  

Er stellt fest, dass das Nahrungsmittelangebot in Deutschland

wegen der Bioenergie nicht knapper werde. Vielmehr würden durch die sinkende Bevölkerungszahl Potenziale für eine Energieproduktion frei. Was den Hunger in Afrika angehe, so sei dieser nicht zuletzt auf die subventionierte Entsorgung von Überschüssen aus der Landwirtschaft in Entwicklungsländer zurückzuführen. „Heutiger Hunger ist eine Folge dieser billigen oder kostenlosen Exporte von Nahrungsmitteln zum Beispiel nach Afrika. Ganze Produktionsmärkte wurden dort systematisch zerstört mit der Folge, dass heute Landwirte fehlen, um vor Ort Nahrungsmittel zu produzieren“, so Heck. „Die Ursachen für Hunger sind sehrvielfältig: Klimawandel, Misswirtschaft, unfaire Handelsbedingungen, zuniedrige Preise für Nahrungsmittel, fehlende Logistik, Wassermangel usw. Eine deutsche Biogasanlage hat hierauf keinen Einfluss“, so sein klares Fazit.  

Er betont zudem, dass eine erhebliche Menge an Biomasse in Deutschland produziert werde, um sie an Schlachttiere zu verfüttern. Hecks Schlussfolgerung: „Daraus leite ich ab, dass ein Ansatz zu mehr Naturschutz vor allem in einer Kampagne gegen übermäßigen Fleischkonsum bestehen müsste.“  Auch dem Argument, Biogas sei im Vergleich zu anderen erneuerbaren Energieformen nicht effizient genug, widmet Heck breiten Raum und kommt zu dem Ergebnis, dass Biogasanlagen und besonders der in Göllheim geplante Energiepark „aus ökonomischer und strukturpolitischer Sicht wichtig für ländliche Regionen“ seien. „Auch wenn Biomasse nur rund acht Prozent zur Primärenergieproduktion Deutschlands beiträgt, bedeutet dies nicht, dass sie unwichtig oder vernachlässigbar ist“, so sein klares Fazit. im Jahr 2012 hätten 7100 Biogasanlagen fast drei Atomkraftwerke komplett ersetzt.
  

Biogas biete nicht nur eine Vielfalt von Möglichkeiten, von der Grundlast bis zur Spitzenlast, in die Netzstabilisierung einzugreifen. Biogas bedeute außerdem eine stabile Einnahme für landwirtschaftliche Betriebe und somit auch einen Beitrag zur Sicherung der Lebensmittelversorgung. Ein Landwirt müsse anbauen, was unternehmerisch sinnvoll sei, und wenn es keine Biogasanlagen gäbe, dann würden stattdessen Maisfelder für die Produktion billigen Fleisches angelegt. Dagegen würden aber „wie bisher nur die wenigen informierten Naturschützer protestieren“, so Heck.  

Eine der größten Ängste in der Bevölkerung, auch aufgrund der Öffentlichkeitsarbeit der Biogasgegner, ist die vor einer Mais-Monokultur in Folge der Biogasanlage. Auch diese Bedenken entkräftet Heck: Der Maisanbau im Donnersbergkreis sei prozentual sehr gering – 2010 habe er bei zwei Prozent gelegen. In Regionen, in denen vorher aber kein oder nur wenig Mais angebaut worden sei, und dazu zählt Heck den Donnersbergkreis, könne Maisanbau die Arten- und Lebensraumvielfalt einer Region sogar steigern. Zudem habe es Futtermaisanbau, je nach Marktlage, schon immer gegeben. Außerdem sei in naher Zukunft damit zu rechnen, dass der Maisanbau für Biogas zugunsten anderer, ergiebigerer Energiepflanzen wieder zurückgehe.
  

Auch unter ökologischen Gesichtspunkten sei es durchaus sinnvoll, den Anbau von Energiepflanzen mit anderen Augen zu sehen, denn: „Energiepflanzen benötigen weniger mineralischen Stickstoff und weniger Pestizide als Kulturen, die für Nahrungsmittelzwecke angebaut werden. Die Intensität des Pestizideinsatzes ist bei Raps und Getreide in der Regel höher als bei Mais.“ Zudem habe die Landwirtschaft, etwa in Form von Futterpflanzen für Arbeitstiere, schon immer auch Energie bereitgestellt. Dies sei nur durch die Einführung fossiler Energien, also Öl und Erdgas, zurückgedrängt worden. „Wenn nun fossile Energien zu umweltschädigend, zu teuer oder einfach nicht mehr verfügbar sind, muss die Landwirtschaft wieder einen Teil dieser Versorgung übernehmen. Das ist ethisch völlig unbedenklich.“

 

Vielen Bürgern, so Heck, werde erst durch ihre direkte Betroffenheit bewusst,wie schwierig die Energieversorgung eines Industriestandortes wie Deutschland sei. „Aber es ist sicherlich nicht korrekt, dies nur einem Aspekt der Energiewende – nämlich den Energiepflanzen – aufzubürden und sie gegen andere regenerative Energien auszuspielen“, warnt Heck. Es gebe zwar naturschutztechnische und ethische Grenzen der Nutzung, – „diese Grenzen sind allerdings für Deutschland und insbesondere für Göllheim noch nicht erreicht“.

 

Kritik übt Heck am Verhalten der Biogasgegner: Es sei zwar verständlich, dass sie eine Veränderung der Landschaft, die nicht in das eigene Bild passe, ablehnten. Als rationale Begründung taugten solche Argumente aber nicht. „Leider besitzen viele Argumente von Biogasgegnern zurzeit einige dieser irrationalen Aspekte“, schreibt Heck und kommt zu dem Ergebnis: „Argumente, die lediglich dem St.-Florian-Prinzip huldigen, sind schwer zu argumentieren.“

Quelle:
Verlag: DIE RHEINPFALZ
Publikation: Donnersberger Rundschau
Ausgabe: Nr.66
Datum: Dienstag, den 19. März 2013
Seite: Nr.14
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*   Anmerk. Progoellheims: Dieses "Gutachten" wurde bis dato der  

     Öffentlichkeit nicht zugänglich gemacht, ob es sich  

     hierbei um ein fundiertes Gutachten oder lediglich um eine  

     Stellungnahme handelt konnte nicht eruiert werden; Beweggründe Hecks für  

     ein solches "Gutachten" vgl.: "Ökologie positiver Kollateralschaden"  

     Des Weiteren fragen wir uns wo  der professorale Aufschrei als Reaktion auf  

     ein solches "Gutachten" bleibt?   

** Progoellheim versteht sich als eine unabhängige Gruppe, nicht, wie bereits  

     vor knapp zwei Jahren der Rheinpfalz unmissverständlich mitgeteilt, als  

     Bürgerinitiative  

*** das "Wider" bei diesem Rheinpfalz-Artikel Fehlanzeige - vgl. Sie jedoch unsere  

         Pro/Contra Argumentation 

Das Thema des Jahres ist die Energiewende

Interview: Klaus-Dieter Magsig, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Göllheim, spricht über Pläne und Wünsche – und verrät, was ihn ärgert

Was liegt 2013 in der Verbandsgemeinde Göllheim an? Diese Frage

 hat unsere Redakteurin Anja Hartmetz VG-Chef Klaus-Dieter Magsig gestellt.  

Die Antwort: Einiges. 2012 hat die VG schnelles Internet bekommen. Was kommt 2013? Das Thema DSL wird uns auch 2013 begleiten, wir müssen versuchen, dieses Pfand so zuverwalten, dass es als echter Standortvorteil auch einen Ertrag für unsere Kommunen bringt.  

 

Was heißt das konkret?

 

Unsere Gewerbegebiete haben durch das sehr schnelle Breitband einen ungeheuren Vorteil, den wir als Standortvorteil nutzen müssen.Dabei geht es unter anderem auch um die Ansiedlung von neuen Unternehmen – mittelfristig sorgt dies für neue Arbeitsplätze und zusätzliche Einnahmen für die jeweilige Kommune. Was uns 2013 aber vor allem beschäftigen wird, ist die Energiewende. Damit meine ich nicht nur das Erzeugen von Energie, wir müssen auch an die möglichen Einsparungen denken. Wir werden daher im ersten Halbjahr die Straßenbeleuchtung in allen Gemeinden auf LED umstellen und pro Jahr etwa 70 Prozent der bisherigen Stromkosten einsparen, das sind 134.000 Euro. Damit werden sich die Anschaffungskosten innerhalb von zwei bis drei Jahren amortisiert haben. Das andere ist die ökologische Seite: Die Kohlendioxidbelastung verringert sich in der VG um jährlich 415 Tonnen, das entspricht dem jährlichen Ausstoß von 150 Autos der Golfklasse bei einer Laufleistung von 20.000 Kilometern. Wir befassen uns außerdem mit technischen Verbesserungen zur Reduzierung von Energie bei Heizung und Beleuchtung unsereröffentlichen Einrichtungen.  

 

Was läuft in Sachen Windkraft?

 

Wir werden nicht nur auf dem Kahlenbergbestehende kleine Anlagen durch leistungsfähigere ersetzen, sondern, und nicht nur dort, auch zusätzliche Anlagen ermöglichen. Durch die Gründung einer Anstalt des öffentlichen Rechts Ende letzten Jahres, der alle Ortsgemeinden beigetreten sind, sind wir zudem in der Lage, diese neuen Anlagen möglicherweise auch selbst zu betreiben.  

 

Was genau versteht man darunter?

 

Eine Anstalt des öffentlichen Rechts, kurz AöR, ist ein Unternehmen der öffentlichen Hand, das privatwirtschaftliche Vorteile genießt. Über die AöR können die Ortsgemeinden in den Genuss dieser Vorteile kommen. Welche wären das? Zum einen ist das die steuerliche Seite: Eine AöR ist zum Beispiel vorsteuerabzugsberechtigt. Zum anderen kann sie günstige Kommunalkredite aufnehmen und mit dem Geld wirtschaften. Am Ende führt das zu Zusatzeinnahmen, die die Finanzsituation der Gemeinden verbessern.  

 

Wie wird das umgesetzt?

 

Sofern eine Gemeinde sich entscheidet, Anlagen selbst zubetreiben, läuft das über die AöR. Das gilt auch dann, wenn sie sich lediglich finanziell beteiligt. Eine Gemeinde kann aber auch in Anlagen anderer Gemeinden investieren. So können auch Gemeinden, in denen keine Flächen zur Verfügung stehen, eine Summe x investieren und sind dann anteilig am Gewinn beteiligt.  

 

Stehen alle Windräder auf kommunalen Flächen?

 

In den meisten Fällen wird das sosein. Wir haben Wert daraufgelegt, dass die Standflächen im Eigentum derjeweiligen Ortsgemeinde sind – sie zumindest Erbbaurechte haben. So hat die Gemeinde auf jeden Fall schon einmal die jährlichen Pachteinnahmen, auch dann,wenn sie sich sonst nicht weiter beteiligen will.  

 

Wie viele Windräder sind für die gesamte VG geplant?

 

Derzeit sind es 19.  

 

Gibt es schon Bürgerreaktionen?

 

In den laufenden Bebauungsplanverfahren jedenfalls nicht. Das liegt aber sicher auch daran, dass bei uns sehr klar ist, wo Windräder gebaut werden können, und wo nicht. Wir bewegen uns ausschließlichin dem Bereich, der uns vom regionalen Raumordnungsplan vorgegeben ist – andernorts will man ja heute schon dem neuen Landesentwicklungsprogramm vorgreifen, da ist aber vieles noch offen.


Vielen Bürgern gehen die Pläne – nicht nur der VG Göllheim – zu weit. Sie

wollen nicht, dass auf jeder Anhöhe Windräder stehen und fürchten die Folgen für das Landschaftsbild...

 

Das wollen wir auch nicht, deshalb gibt es bei uns ja eine abgestimmte Gesamtplanung. Ob Windräder per se zu Einbußen im Fremdenverkehr führen, ist nicht nachgewiesen. Das Landschaftsbild ist ja nicht nur durch Windräder beeinträchtigt, sondern zum Beispiel auch durch Straßen. Bei Windkraftanlagen habe ich schon deshalb keine großen Bedenken, weil sich das alles leicht zurückbauen lässt. Ganz wichtig aus heutiger Sicht ist der naturschutzrechtliche Ausgleich. Da haben wir von Anfang an dafür gesorgt, dass alle betroffenen Verbände mit im Boot sitzen, das steht ganz oben auf unserer Liste. Ziel für uns ist der naturschutzrechtliche Aspekt – die Natur muss geschont werden. Wir wollen aber auch dafür sorgen, dass der Landwirtschaft keine Flächen verloren gehen, und deshalb liegt unser Schwerpunkt auf Ausgleichsflächen, die einerseits für die Landwirtschaft relativ uninteressant sind, aber andererseits Potenzial für Naturräume darstellen. Ich denke, dass wir da insgesamt betrachtet auf einem sehr guten Weg sind.  

 

Solaranlagen sind in der VG Göllheim ja nicht geplant, oder?

 

Geeignete Flächenwären zwar da, aber Aspekte des Landschaftsbildes und die Qualität der Böden stehen dem entgegen. Deswegen werden wir das aus dem Flächennutzungsplan auch wieder herausnehmen.  

 

Wie steht es mit dem Thema Biogas?

 

Was Göllheim angeht, warten wir die Entscheidung des Gemeinderats ab. Ich gehe nicht davon aus, dass die Gegner der Anlage eine Chance haben, diese zu verhindern.


In Albisheim war ja auch einmal an eine Biogasanlage gedacht.

Davon hört man im Moment gar nichts mehr. Ist das vom Tisch?

 

Vom Tisch nicht, aber im Moment tut sich auch nichts. Wir werden sehen.

 

Abgesehen von der Energiewende – was soll in absehbarer Zeit noch umgesetztwerden?  

 

Besonderes Anliegen ist für uns nach wie vor, die Zellertalbahn zuerhalten. Wir wissen zwar jetzt, dass der Rheinland-Pfalz-Takt 2015 nicht kommt, wir wollen aber alles dafür tun, dass die Bahnlinie erhalten wird, auchwenn das die Übernahme eines Teils der Kosten durch die VG bedeutet. Denn wenn die Linie erst mal weg ist, wird sie mit Sicherheit nicht mehr reaktiviert, und wir wissen nicht, ob wir nicht irgendwann einmal eine Bahnlinie brauchen.  


Sie erwähnten Kosten

 

...Ja, zum Weiterbetrieb sind technische Veränderungen nötig, um die Bahnübergänge zu sichern. Da wird erheblich investiert werden müssen. Zurzeit führen wir, die betroffenen VGs, Gespräche mit den Kreisen und dem Land. Es geht dabei nicht in erster Linie um den Ausflugsverkehr amSonntag, sondern um den Erhalt der Bahnlinie mit der Option, irgendwann doch inden Rheinland-Pfalz-Takt hineinzukommen.


Woran arbeiten Sie in Sachen Tourismus?

 

Für Radtouristen wird im Frühjahr einsogenannter Stoppomat aufgestellt werden. Das ist ein Gerät, mit dessen Hilfeman im Internet an einem virtuellen Wettbewerb teilnehmen kann (www.stoppomat.de). Dann werden wir, ebenfalls gefördert durch EU-Gelder ausdem Leader-plus-Projekt, die Wanderwege im Zellertal optimieren. Wir planen weiterhin einen Wohnmobil-Stellplatz in Albisheim sowie eine Weinwanderhütte amParkplatz an der B 47 gegenüber dem ehemaligen Trafohäuschen.


Soll die auch bewirtschaftet werden?

 

Wir stellen uns das so in etwa vor wie bei der Weinrast mit Weitblick in Mölsheim, wo der Weinstand wechselweise von den Winzern des Zellertals betrieben wird – in Albisheim wollen wir vor allem Vereine ansprechen, für die könnte dies eine zusätzliche Einnahme möglichkeit werden. Es kann aber nur um eine sehr eingeschränkte Bewirtung gehen – es soll auch Gelegenheit geben, dass sich Besucher über die Angebote in der Regioninformieren können.  

 

Was steht noch an?

 

Ein Hauptthema sind und bleiben die kommunalen Haushalte. Bereits jetzt nehmen unsere Ortsgemeinden am kommunalen Entschuldungsfonds teil. Wir machen Ernst mit der Sanierung, sowohl im Fall der laufenden Haushalte als auch, was die kontinuierliche Reduzierung der langfristigen Kredite angeht. Auch dafür wollen wir die Energiewende nutzen.

Vor allem in der Nachbar-VG Eisenberg werden immer mal wieder

Gedanken zu VG-Fusionen geäußert, in die auch die VG Göllheim einbezogen wird. Wie stehen Sie dazu? Ich gehe davon aus, dass das nicht in den nächsten Jahren sein wird. Nehmen Sie nur die VG Alsenz-Obermoschel, denen hat man bis 2019 Zeit gegeben.Tatsache ist:  

Wir wollen, dass der Kreis erhalten bleibt: Größer bedeutet nochlange nicht effizienter.  

 

Was bereitet Ihnen Sorgen?

 

Ich sehe gelassen und mit großer Zuversicht in die Zukunft.


Was ärgert Sie?

 

Vor allem unsachliche Politik. Auch falsch verstandenes Demokratieverständnis – wir leben nun mal in einer parlamentarischen Demokratie. *  

Bei allem Streit in der Sache sollten wir sachlich bleiben. Persönlich geärgert haben mich anonyme Vorwürfe auf der Internetplattform der Gegner der Biogasanlage Göllheim gegen mich und Ortsbürgermeister Hartmüller, die erstens völlig an den Haaren herbeigezogen waren und zweitens weder mit Fakten bewiesen noch zurückgenommen wurden. Aber damit muss man wohl leben. (ajh)

 


Quelle:
Verlag: DIE RHEINPFALZ
Publikation: Donnersberger Rundschau
Ausgabe: Nr.34
Datum: Samstag, den 09. Februar 2013
Seite: Nr.14
"Deep-Link"-Referenznummer: '91_8140482'
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* Anmerk. Progoellheims: Zu diesem Thema folgt zeitnah ein Artikel 

Hier gehts zum kommentierten Interview                                                                      

                                                                                 Hinweis: Blau = Link

„Propaganda und Panikmache“ 

GÖLLHEIM: Gemeinderatsmitglied Kay Weigel nimmt Stellung in der Biogasdebatte

Die jüngsten Leserbriefe und Stellungnahmen, die zum Thema „Biogasanlage Göllheim“ in der „Donnersberger Rundschau“ erschienen sind, und in denen sich ausschließlich Gegner dieser Anlage zu Wort gemeldet hatten (beispielsweise in der Ausgabe vom 8. Dezember) hat das Göllheimer Gemeinderatsmitglied Kay Weigel (CDU) zum Anlass genommen, seinerseits eine Stellungnahme zu verfassen, um seine Sicht als Mitglied des Gremiums, das mit überwältigender Mehrheit hinter den Biogasplänen steht, darzustellen.  

Er wirft den Gegnern der Anlage vor, die Bevölkerung zu verunsichern, um Panik zu schüren.

 

Was Weigel besonders kritisiert: Biogasgegner aus den Reihen der Initiative „Pro Göllheim“ seien von Haus zu Haus gegangen und hätten den Bürgern „falsche Informationen“ gegeben, so das CDU-Gemeinderatsmitglied.  

Auch seien Bürger dazu gebracht worden, Protestplakate an ihren Häusern aufzuhängen, ohne genau zu wissen, wogegen sich der Protest tatsächlich richte:  

„Wenn man dann mal bei den Leuten, bei denen die Plakate hängen, nachfragt, welche Anlage in Göllheim gebaut wird, dann merkt man direkt, dass die Leute nichts wissen.

“Zumal die Forderungen der Biogasgegner für sich genommen falsch seien, denn diese hätten erklärt, nur etwas gegen Biogas, nicht aber gegen Windgas* zu haben. Dabei sei eine Biogasanlage erforderlich, um Windgas herstellen zu können.

Weigel greift weiterhin eine für ihn typische Eigenart der Gegner von erneuerbaren Energien auf: „Wo Windräder gebaut werden, gibt es Bürgerinitiativen gegen Windräder. Denn Windräder machen Lärm, werfen Schatten und die Vögel fliegen rein und sterben. Also keine Windräder, wenn es nach den Gegnern geht. Wo Bodensolaranlagen gebaut werden, gibt es Bürgerinitiativen gegen Solaranlagen,denn die verschandeln das Aussehen der Landschaft, da wird wertvoller Ackerboden verschwendet usw. Also keine Bodensolaranlagen, wenn es nach den Gegnern geht. Wo Biogasanlagen gebaut werden gibt es Bürgerinitiativen gegen Biogasanlagen**, denn die verschwenden Ackerland, und es entsteht landwirtschaftlicher Verkehr. Also keine Biogasanlage, wenn es nach den Gegnern geht. Ergebnis: keine Energiewende, wenn es nach den Gegnern geht, zumindest nicht dort, wo die Gegner wohnen.“ Denn diese Leute wollten zwar die Energiewende – „Nur nicht bei sich vor der Haustür. Bitte nur bei den Anderen."      (vgl. ebenso)

Da werde, schreibt Weigel weiter, in Leserbriefen vom Nordpfälzer Stolz geschrieben, – „da würde ich eher von Nordpfälzer Engstirnigkeit bzw. Egoismus sprechen.

Die Biogasanlagengegner sprechen von Verschwendung von Ackerböden für Energiepflanzen. Na, das ist mir lieber, als jährlich wiederkehrend zuzuschauen, wie nicht verwertete Nahrungsmittel einfach untergepflügt oder zigtausende von Tonnen von Lebensmitteln einfach weggeworfen werden“, so Weigel.

 

Weigel kritisiert insbesondere auch Flugblätter, in denen vor

der Biogasanlage mit dem reißerischen Wort „Lebensgefahr“ gewarnt werde und stellt die Frage,was wohl die Menschen denken würden, die die Katastrophen in Tschernobyl und Fukushima überlebt haben. „Das ist die Leute hinters Licht geführt und Propaganda pur, um Ängste zu schüren und Leute, die sich nicht intensiv mit dem Thema beschäftigen, zu verunsichern“, so sein Vorwurf.

Dass Menschen auf der Welt hungern müssten, sei wohl eine Tatsache, jedoch halte er es in diesem Fall für sinnvoller, vor Ort dafür zu sorgen, dass die Menschen sich möglichst selbst versorgen könnten. Was die oft angesprochenen Monokulturen angehe: „Hier empfehle ich, doch mal die Weinstraße rauf und runter zu fahren, da kann man sich Monokulturen anschauen, dort werden echt lebensnotwendige Lebensmittel in Monokulturen angebaut.  Was machen eigentlich dort die lieben Bienen?“


Seine Stellungnahme schließt mit einem Appell an die Bürger, sich auf ihre gewählten Vertreter zu verlassen, da diese bestens informiert seien, anders als einige der Leserbriefschreiber, die 
„erst nach zwei Jahren Debatte“ mitbekommen hätten, dass 
„in Göllheim was gebaut wird“ und dann  

„wirre Sachen“ schrieben.(red)
 

Quelle:
Verlag: DIE RHEINPFALZ
Publikation: Donnersberger Rundschau
Ausgabe: Nr.296
Datum: Donnerstag, den 20. Dezember 2012
Seite: Nr.14
"Deep-Link"-Referenznummer: '91_6388545'
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Progoellheim kommentiert diese Stellungnahme lediglich mit entsprechender Verlinkung im Text und verweist an dieser Stelle auf den Leserkommentar von Thomas Mattern (SPD), Ortsbürgermeister der Gemeinde Lautersheim – dem gibt es nichts hinzuzufügen.

► Infobroschüre: “Was Sie schon immer über Biogas wissen wollten”  –  hier bitte klicken und weiterlesen

 

* Hinweise Progoellheims: 

Rückenwind für die Energiewende:  

Die sinnvolle Alternative zum Energiepflanzenanbau für  

NawaRo-"Bio"gasanlagen:  

proWindgas von Greenpeace Energie 

(bitte hier klicken)

 

** Biogasanlagen haben nichts mit dem Wort „bio-“ gemein. Der Begriff „Bio“ gibt keine Auskunft darüber, ob diese Anlagen mit nachwachsenden Rogstoffen (NawaRo) oder mit biologischen Abfallstoffen betrieben werden und suggerieren dem Leser eine Verharmlosung dieser Thematik. Sachlich richtig ist der Begriff NawaRo-Agromethangasanlage, da hier speziell angebaute Rohstoffe (Energiepflanzen) zur Energieerzeugung vergärt werden.

 

 

Folgender Bürgerbrief erging am 23./24.11.2012 an die Göllheimer Haushalte:  

 

Bürgerbrief zum geplanten „Energiepark Göllheim“

 

Liebe Bürgerinnen und Mitbürger,

 

der Ausstieg aus der Atomenergie und der Einstieg in die regenerativen Energieformen sind bundes- und landespolitisch beschlossene Sache.

Das „EEG 2012“ (Erneuerbares-Energien-Gesetz 2012) regelt die bevorzugte Einspeisung der erneuerbaren Energie und wirkt so lenkend auf die Energiewende ein. Den Erzeugern wird eine feste Einspeisungsvergütung garantiert. Gefördert werden u.a. viele, bereits vorhandene Photovoltaikanlagen (auch die Dachanlagen der Privaten), Windkraftanlagen und Biogasanlagen.

Vor dem Hintergrund noch nicht gelöster Transport- und Speicherfragen genießt die dezentrale Energieversorgung derzeit oberste Priorität. Dies ist auch eine Chance für den ländlichen Raum um von der Wertschöpfung zu partizipieren. Bezogen auf die Situation in Göllheim bedeutet dies nach gegenwärtigem Standder Technik ein Energiemix aus Sonne, Wind und Biomasse, wobei gerade der Biomasse (Biogas) eine besondere Bedeutung wegen ihrer Speicherfähigkeit zukommt.

Das Baugesetzbuch räumt generell jedem Landwirt die Möglichkeit ein, im Außenbereich der Gemarkung eine eigene, betrieblich privilegierte Biogas-anlagezu errichten. Göllheimer Landwirte haben sich mit dem Ziel zusammen-geschlossen, gemeinsam eine leistungsstärkere und effizientere Biogasanlage zu bauen. Aus insgesamt drei Bewerbern haben sich die Landwirte für die  

Fa. JUWI, Wörrstadtals Projektierer entschieden. Die Errichtung einer solchen Anlage im Außenbereich ist ebenfalls planungsrechtlich möglich, allerdings nur, wenn die zuständige Gemeinde einen entsprechenden Bebauungsplan aus weist. Der Gemeinderat Göllheim hat sich nach einer fast 2 jährigen, intensiven Beratung- und Informationsphase für die Errichtung der geplanten Biogasanlage  entschieden und ist auch weiterhin mit einer deutlichen Mehrheit von der Umsetzung und Durchführung überzeugt. Rein planungsrechtlich betrachtet sprechen keine Argumente gegen den Bau der Biogasanlage Göllheim. Vorgetragene Anregungen und Bedenken wurden in die aktuelle Planung eingearbeitet und berücksichtigt, dies gilt insbesondere auch für die Belange der Umwelt.  

Der Gemeinderat kennt die Argumente der Gegner, die die Anlage vor allem aus ethischen und umweltrelevanten Gründen in Frage stellen und nimmt deren Sorgen ernst. Er steht allerdings weiterhin zu seiner Entscheidung die planungsrechtlichen Voraussetzungen zum Bau dieser Biogasanlage zu schaffen. Nach wie vor ist der Gemeinderat davon überzeugt, dass der Bau der Biogasanlage ein wichtiger Baustein für die Umsetzung der Energiewende vor Ort darstellt.

 Ein Scheitern der Biogasanlage Göllheim sehen wir als einen Rückschritt in Sachen dezentrale Energieversorgung im ländlichen Raum.

Jedes Ratsmitglied entscheidet auch hier nach bestem Wissen und Gewissen.

 

Ihr Ortsbürgermeister             I.Beigeordneter                    Beigeordneter

Dieter Hartmüller                   Wolfgang Driedger           Rüdiger Neukummeter

 

Hier geht es zu Kommentaren zu diesem Bürgerbrief: 

Kommentar Progoellheims

Leserkommentar Norbert Pasternack (SPD), aktuelles        Göllheimer Gemeinderatsmitglied  

Leserkommentar Wolfgang Wettlaufer, Dipl.-Biologe, Tübingen/Carslberg 

Gemeinde spricht sich gegen Bürgerbefragung aus

WEITERSWEILER: Alt-Bürgermeister Bernhard Schmitt scheitert mit Antrag – Ortsbürgermeister gibt Sitzungsleitung an Beigeordneten ab


In Weitersweiler wird es keine Bürgerbefragung zur geplanten Biogas-Anlage in Göllheim geben. Das beschloss der Gemeinderat mit vier Stimmen bei zwei Gegenstimmen. Dass insgesamt nur sechs Ratsmitglieder an der Abstimmung am Mittwochabend in der Gemeinderatssitzung teilnahmen, lag daran, dass Ortsbürgermeister Armin Göbel vor dem Eintritt in die Beratung die Sitzungsleitung wegen Sonderinteresse an den Beigeordneten Uwe Blachetzki abgab. Auch Bodo Burgey gab an, aus geschäftlichen Gründen ein Sonderinteressezu haben, und beteiligte sich nicht an der Abstimmung. Beantragt hatte die Bürgerbefragung Alt-Bürgermeister Bernhard Schmitt, der seine Argumente in der öffentlichen Sitzung auch vortragen durfte, obwohl er dem Gemeinderat nicht mehr angehört. Schon im Juni hatte Schmitt einen ersten Vorstoß in Richtung Bürgerbefragungunternommen, diese war von der Verwaltung in Göllheim allerdings wegen Formfehlern abgelehnt worden. Schmitt räumte ein:

„Zur Information der Bevölkerung ist relativ viel passiert“, nachdem Uwe Blachetzki dem Rat eine detaillierte Auflistung über bislang 17 öffentliche Beteiligungsschritte und Veranstaltungen, die von der Verwaltung erarbeitet wurden, vorgelegt hatte. Schmitt argumentierte dagegen, es gehe darum, ein Meinungsbild der Bevölkerung einzuholen, an dem sich der Gemeinderat später orientieren könne. Die Gemeinde Lautersheim habe sich entschieden, eine solche Befragung zu veranstalten, führte Schmitt außerdem an.  

 

Nicht alle Vorstellungen zu einer Bürgerbefragung, die Schmitt dem Rat vortrug, waren rechtlich korrekt, wie Thomas Peter, der geschäftsführende Beamte der Verbandsgemeinde Göllheim, anschließend klarstellte. „Eine Bürgerbefragung unterscheidet sich von einem Bürgerentscheid sehr deutlich, und sie hat auch keine rechtlich Bindung. Der Gemeinderat legt die Regularien fest, und nicht zwangsläufig müsse eine Ja/Nein-Frage gestellt werden.“ Ablaufen müsse eine Befragung dennoch wie eine Wahl, die Bürger müssen an einem vorab festgelegten Ort zur Abgabe ihrer Meinungsäußerung auf Stimmzetteln erscheinen, erklärte Peter. Im Zusammenhang forderte Ratsmitglied Indra Schmitt Ortsbürgermeister Armin Göbel auf, zu erklären,warum er Sonderinteresse habe. Peter machte hierzu deutlich, dass Göbel sein Sonderinteresse ordnungsgemäß angemeldet habe, er sei nicht weiter verpflichtet, Gründe oder wirtschaftliche Hintergründe zu nennen. Schmitt sprach auch Ratsmitglied Jörg Hoffmann direkt an, ob er Lieferverträge für die Biogasanlage unterschrieben habe, obwohl Hoffmann kein Sonderinteresse angemeldet hatte (er verneinte). Außerdem verteilte Schmitt Broschüren der BI an die Ratsmitglieder, um ihre Argument zu untermauern. Nach der Abstimmung ergriff sie erneut das Wort und kritisierte das Verhalten der Ratsmitglieder, unter anderem mit dem Begriff „undemokratisch“. (jös)  

 

Mehrheit hat gesiegt  ;)

von Joerg Schifferstein

 

Die Entscheidung des Gemeinderates Weitersweiler, keine Befragung zur Biogas-Anlage durchzuführen, ist vernünftig.

 

Demokratie bedeutet, dass man als Unterlegener bei einer Abstimmung das Ergebnis zu akzeptieren hat, auch wenn es im konkreten Fall Indra Schmitt und den Vertretern der Bürgerinitiative gegen das in Göllheim geplante Biogas-Kraftwerk nicht passt.  

 

Die Mehrheit im Rat hat beschlossen, auf eine Bürgerbefragung zuverzichten und damit Vernunft bewiesen. Was würde eine solche Befragung bringen? Wohl überwiegend Meinungsäußerungen jener, die sich bereits in einer BI einbringen. Die Mehrheit der Bevölkerung würde wahrscheinlich passen – vielleicht weil sie die Biogasanlage positiv sieht, vielleicht weil sie den Argumenten der BI nicht folgenwill – wahrscheinlich aber weil ihr das Ganze ziemlich egal ist.  

 

Dem Rat deshalb vorzuwerfen, dass die eigenen Argumente nicht gehört wurden, ist ziemlich unverschämt. 64 Bürger aus Weitersweiler haben einen Aufruf der BI unterschrieben, das sind knapp 15 Prozent der Bevölkerung der 500-Seelen-Gemeinde – wohl kaum eine Mehrheit.  

Das Fass zum Überlaufen

brachte Schmitt dann noch mit der Forderung,d ass Ortsbürgermeister Armin Göbel sein Sonderinteresse beim Thema Biogasanlage öffentlich begründen müsse. Einem weiteren Landwirt im Rat unterstellte sie Interesse an der Lieferung von Rohstoff für die Biogas-Anlage. Das aber geht Frau Schmitt nichts an, zumal er das klar verneint hatte.


Andererseits verteilte Indra Schmitt selbst Schriften der Biogasgegner an Ratsmitglieder. Das gilt rechtlich zwar nicht als Sonderinteresse, zeigt aber klar, dass sie selbst ebenfalls Partei ist. Dass sie trotzdem glaubt, über andere den Stab brechen zu dürfen, weil sie sich selbst moralisch auf der richtigen Seite wähnt, zeigt eins: Zu akzeptieren, nicht die Mehrheit zu haben, ist eben schwer.
 

Quelle:
Verlag: DIE RHEINPFALZ
Publikation: Donnersberger Rundschau
Ausgabe: Nr.251
Datum:Samstag, den 27. Oktober 2012
Seite:Nr.16
"Deep-Link"-Referenznummer: '91_5297361'
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Nicht nur Anderen Beitrag abverlangen”

GÖLLHEIM: Herzog zu umstrittener Biogasanlage  

In die Diskussion um die Göllheimer Biogasanlage hat sich jetzt auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Gustav Herzog eingeschaltet.

 

Die Heftigkeit der Auseinandersetzung in und um Göllheim lässt sich nicht mit den Beeinträchtigungen und Belastungen der geplanten Anlage erklären”, schreibt der Bundestagsabgeordnete, der selbst in Harxheim wohnt, in einer Stellungnahme. Es sei deshalb „fraglich, ob die Gegner bereit sind, sich auf einen sachlichen Dialog einzulassen”, sieht Herzog die Lage nicht eben optimistisch. „Wer unser Land energiepolitisch auf Vordermann bringen will, kann dies nicht nur von anderen Regionen verlangen”, schreibt er an die Adresse der Biogasgegner. Zu den strittigen Punkten wie Verkehrsbelastung, Agrarstruktur und Energiebilanz sei bereits ausführlich Stellung genommen worden.

In der Frage der gesundheitlichen Risiken von Biogasanlagen habe der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages in seinem, Herzogs, Auftrag eine Studienrecherche gemacht: „Nach dem jetzigen Stand der Wissenschaft ist bei diesen Anlagen von keinen besonderen Risiken auszugehen, da ein sehr umfassendes Regelwerk aus Gesetzen und Verordnungen zu einem hohen technischen Standard in Deutschland geführt hat”, stellt Herzog im Ergebnis fest.

Die vom Bundestag gestern mit breiter Mehrheit vollzogene Wende in der Energiepolitik geschehe „in Verantwortung für die zukünftigen Generationen.

 

Wir wollen den Klimawandel eindämmen, die nur endlich vorhandenen Rohstoffe schonen und elektrischen Strom ökologisch verantwortlicher erzeugen, verteilen und verbrauchen. Im Blick habenwir dabei auch die Versorgungssicherheit unserer Industriegesellschaft und die Bezahlbarkeit für private Haushalte und Wirtschaft”, so Herzog weiter. Neben Windkraft und Solarenergie seien eben auch Biomasseanlagen gängige Anlagetypen.

 

Herzog betont, dass die Auseinandersetzung in den Gemeinden seines Wahlkreises sehr unterschiedlich geführt werde. Während sich in Krottelbach im Kreis Kusel eine Bürgerinitiative gegen eine Zwei-Megawatt-Biogas-Verstromungsanlage gegründet habe, werde eine seit 2006 in Steinwenden, ebenfalls Kreis Kusel, betriebene Biogasanlage im nächsten Schritt auch die Nahwärmeversorgung in einem Wohngebiet anbieten. Ebenso sei in Enkenbach-Alsenborn mit Zustimmung aus der Bevölkerung ein Biomasseheizkraftwerk gebaut und eine Solaranlage in Betrieb genommen worden. Eine Biogasanlage sei geplant. „Eine Bemerkung am Rande” fügt der SPD-Bundestagsabgeordnete an: „Ebenso soll das Krematorium gebaut werden, das in Göllheim leider verhindert wurde.” (red)

(hier gehts zum Kommentar Progoellheims)

 

Quelle: Verlag: DIERHEINPFALZ
Publikation: Donnersberger Rundschau, Ausgabe:Nr.150
 

Datum: Freitag, den 01. Juli 2011, Seite:Nr.12
"Deep-Link"-Referenznummer: '7865807'
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"Leute lassen sich vor den Karren spannen"

 

BIEDESHEIM: Ortschef Pradella zur Biogas-Diskussion

 

In der Diskussion um die in Göllheim geplante Biogasanlage erreichte uns eine Stellungnahme des Biedesheimer Ortsbürgermeisters Holger Pradella. Biedesheim ist eine der Nachbargemeinden Göllheims, die die Möglichkeit haben, gegen die Anlage Einspruch einzulegen.

Lautersheim beispielsweise hat dies bereits getan - vor allem wegen der zu erwartenden Verkehrsbelastung. Pradella hält dagegen.


Es sei "äußerst schade, dass eine angeblich kitische Auseinandersetzung mit dem Thema Biogas sich so deutlich als eine von bereits mehreren Attacken gegen den Göllheimer Ortsbürgermeister entpuppt", schreibt der Biedesheimer Ortschef.


Natürlich sei es ihm selbst und dem Biedesheimer Gemeinderat wichtig, dass die Anwohner der Biedesheimer Durchgangsstraße nicht über die Maßen durch zusätzliches Verkehrsaufkommen im Ort belästigt würden. Er wisse allerdings auch, "dass es sich bei unserer Hauptstraße um eine Landesstraße handelt, die dazu dient, den privaten und den gewerblichen Verkehr über Land zu ermöglichen", so der Ortschef weiter. Auch die Biedesheimer Bürger führen durch Kindenheim, Bockenheim, Lautersheim und Ebertsheim, um zum Einkaufen, beispielsweise nach Grünstadt, zu gelangen. "Das ist für uns alle selbstverständlich", betont Pradella.


Man könnte natürlich auch auf private und gewerbliche Fahrten verzichten oder sie zumindest stark einschränken. "Dann wäre das Verkehrsproblem gar nicht vorhanden. Wir würden in Dorfläden einkaufen und im Ort oder Nachbarort mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren. Genauso könnten wir alle unsere Nutzung von Elektrizität derart einschränken, dass wir aus der Kernkraft aussteigen, und mit den verbleibenden Kraftwerken unseren reduzierten Bedarf decken", so Pradella.


Seine Empfehlung: "Fasse sich doch bitte jeder einmal selbst an die Nase und beginne bei sich selbst. Davor hätte ich Respekt." Stattdessen müsse er feststellen, "dass gebildete Menschen sich emotional überzogen vor einen Karren spannen lassen, der mit Biogas hin oder her nur wenig zu tun" habe. Da werde auf der Internetseite von ProGöllheim sogar die Redakteurin der RHEINPFALZ als parteilich angegriffen, nur weil sie die Ergebnisse der Umfrage unter den Göllheimer Bürgern zu diesem Thema kommentiere. Pradellas Fazit: "Damit tut man der Demokratie keinen Gefallen.  Sachliche Auseinandersetzung ja - aber nicht so!" (red)   

 

(hier gehts zum Kommentar Progoellheims)

 

Quelle:Verlag:DIE RHEINPFALZ, Publikation:Donnersberger Rundschau
Ausgabe:Nr.145, Datum:Samstag, den 25. Juni 2011
Seite:Nr.14, "Deep-Link"-Referenznummer:'7848262'
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Dafür” und* „Ist mir egal” = 68 Prozent  

------> ( * facts went out - and slammed the door...!! ) 

 

Göllheim: Das ist Ergebnis einer repräsentativen RHEINPFALZ-Umfrage zur Biogasanlage unter 250 Göllheimern. Sie zeigt die Spaltung im Ort in dieser Frage. An der Gemeindespitze muss sich aber nichts ändern, finden die meisten.

Von Barbara Till

 

Darf man in einer Meinungsumfrage, wie sie die RHEINPFALZ beim Mannheimer Institut CMR in Auftrag gegeben hat, fragen, ob der Ortsbürgermeister zurücktreten soll?

Wir taten es - was uns einige Göllheimer, die von Dienstag bis Donnerstag in Sachen Biogasanlage und politischer Situation an der Ortsspitze per Telefon interviewt worden waren, etwas verübelten.  

 

Aber das Ergebnis dieser zugespitzten Frage ist eben auch aufschlussreich. Ganze 3,3 Prozent würden Dieter Hartmüllers Rücktritt befürworten- „top” für den CDU-Mann. Dagegen 32,6 Prozent den seines 1.Beigeordneten Johannes Finck, der öfter durch gegensätzlichePositionen, auch in Sachen Biogasanlage und gegen die dafür erreichte Mehrheit im Gemeinderat, aufgefallen war.

 

Keine überwältigende Rücktrittsforderung aus der Bevölkerung zwar, aberallemal ein deutlicher Denkzettel für Finck. Auch hier half die Fragestellung also, die „Personalfrage” an der Gemeindespitze ausSicht der Göllheimer selbst klarer zu gewichten. Unter den 250 Befragten allerdings - und das könnte durchaus als Auftrag an dieHandelnden verstanden werden - zeigten sich 127 Frauen und Männer hoffnungsvoll, dass friedliches Miteinander an der Gemeindespitze siegt: 50,9 Prozent der Befragten glauben, dass sich die Situation„schon wieder beruhigen” wird.

   

Von so manchem Göllheimer hört man hinter vorgehaltener Hand, „der Hartmüller” solle doch „endlich mal auf den Tisch hauen” und auch in die seit Monaten entflammte Auseinandersetzung um die Biogasanlage stärker eingreifen.

Dass 47,6 Prozent der interviewten Göllheimer dieses stärkere Eingreifen Hartmüllers für erforderlich halten, unter den über 60-Jährigen dies sogar 56,3 und bei den über 75-Jährigen 62,1 Prozent begrüßen würden, sollte dem Ortschef durchaus zu denken geben. Nur leicht tiefer mit 52,4 Prozent senkte sich bei der Gesamtzahl die Waage zugunsten derer, die für stärkeres Engagement Hartmüllers in der Biogas-Diskussion keine Notwendigkeit sahen.  

 

Zum Bau der Anlage selbst sind die Meinungen erwartungsgemäß konträr. Doch mit 45,7 Prozent lagen die „Ja”-Sager vorn. Rechnet man noch jene 23 Prozent hinzu, die keine Meinung zum Bau haben oder denen er schlicht egal ist, kommt man auf 68 Prozent, denen 31,3 Prozent erklärter Gegner gegenüberstehen. Während die Zustimmung bei denAltersgruppen ab 40 Jahren Werte deutlich über 50 Prozent erreicht,ist die Gegnerschaft in der Gruppe der 18- bis 29-Jährigen mit 41,7Prozent am höchsten.

 

 

Die erfahrenen Mannheimer Meinungsforscher sagten der Lokalredaktion in Kirchheimbolanden, die Bereitschaft, sich den fünf RHEINPFALZ-Fragen am Telefon zu stellen, sei außerordentlich groß gewesen - es habe sich offenkundig um ein wichtiges Thema gehandelt.

Das lässt sich auch daraus ableiten, ob sich die Befragten selbst über das Projekt Biogasanlage informiert haben und wenn ja, wie. 168 Göllheimer, 67,1 Prozent, bejahten die Frage.  

Unter den 32,9Prozent, die sie verneinten, war wieder die Gruppe der 18- bis29-Jährigen am größten, fast jeder Zweite Befragte dieser Altersgruppe.   

 

Bei der Frage, welcher Informationsquellen man sich bedient habe - hier waren Mehrfachnennungen möglich - lag die RHEINPFALZ mit 74,4 Prozent weit vor der Ortsgemeinde (45,4 Prozent) und der Bürgerinitiative „Pro Göllheim” (35,2).   

 

Informations-Aktivitäten von Gegnern der Anlage - zum Beispiel Flugblätter - wurden häufiger kritisch gesehen: „Irreführend” (33 Prozent) oder „überflüssig”(32,2) standen die Antworten „hilfreich” (28,9) und „notwendig”gegenüber (15,9 Prozent) - hier waren Mehrfachnennungen möglich.LOKALSEITE 2

 

Zur Befragung:

 

Ander Umfrage beteiligt waren 250 Göllheimer: 124 Männer und 126 Frauen.

42 waren 18 bis 29 Jahre alt,  

37 zwischen 30 und 39,  

je 50 zwischen 40 und 49 bzw. 50 und 59,  

48 zwischen 60 und 74 Jahren und23 noch älter.

 

 

(hier gehts zum Kommentar Progoellheims)


Quelle:

Verlag:DIE RHEINPFALZ,  

Publikation: Donnersberger Rundschau
Ausgabe:Nr.140, Datum:Samstag, den 18. Juni 2011
Seite:Nr.13, "Deep-Link"-Referenznummer:'7794012'
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Zur Sache: Wie die Biogasanlage betrieben werden soll 

 

In einer Biogasanlage wird durch Vergärung in einem Tank, Fermenter genannt, Gas erzeugt. Doch Biogasanlage ist nicht gleich Biogasanlage. Das beginnt schon bei den Materialien, die vergoren werden. In so genannten landwirtschaftlichen Anlagen werden entweder nachwachsende Rohstoffe, meist Mais oder Getreide, oder tierische Exkremente vergoren.

 

Andere Anlagen verwenden Abfälle aus der Biotonne. Es gibt riesige Anlagen von der Größe einer Fabrik, und es gibt kleine bäuerliche Anlagen, die gerade genug Strom für den Eigengebrauch produzieren. In manchen Anlagen wird das Gas nur in Strom umgewandelt. Die ebenfalls entstehende Wärme verpufft weitgehend. Andere Anlagen speisen direkt in die Gasleitung ein. Hier noch einmal zusammengefasst die Fakten zur Anlage in Göllheim:

 

Die Firma Juwi plant, auf Göllheimer Gemarkung - zwischen Göllheim und Biedesheim an der Einmündung der Straße von Lautersheim - eine Biogasanlage zu bauen, die mit nachwachsenden Rohstoffen betrieben wird.Die Anlage soll auf einer Fläche von 3,5 Hektar (1 Hektar entspricht 10.000 Quadratmetern) errichtet werden. Es werden zwei Fermenter, zwei Nachgärer und zwei Gärrestlager gebaut. Pro Jahr sollen 34 Millionen Kilowattstunden verwertbarer Gesamtenergiegehalt produziert werden bei einem Eigenenergiebedarf von drei Millionen. Zum Vergleich: Mit dieser Anlage könnte der jährliche Energiebedarf von rund 1500 Vierpersonenhaushalten gedeckt werden.

 

Befüllt wird die Anlage zu etwa 50 bis 60 Prozent mit Mais, laut Juwi ist angestrebt, diese Menge später zu reduzieren. Der Rest setzt sich in etwa gleichen Teilen aus ganzen Zuckerrüben, Hirse und Ganzpflanzensilage zusammen, eventuell wird ein wenig Gülle und Grassilage zugesetzt. Neuere Energiepflanzen wie durchwachsende Silphie oder Switchgrass stehen als Erweiterung zur Diskussion. Die Anteile können aufgrund von Fruchtfolge und Ernteschwankungen von Jahr zu Jahr variieren.Es handelt sich um eine Gaseinspeisanlage mit einer Leistung von 1500 Kilowatt elektrisch. Das Gas wird aufbereitet und in Erdgasqualität als Biomethan direkt in das Gasnetz eingespeist. Als „wahrscheinlich” bezeichnet Juwi derzeit auch die Errichtung eines kleinen Blockheizkraftwerkes. Der Strom soll ins öffentliche Netz eingespeist und zum Eigenbetrieb genutzt werden. Die Wärme dient zur Aufheizung der Fermenter.

 

Es soll nicht zu einer Mais-Monokultur kommen. Der Anteil von Mais an den in der Region insgesamt angebauten Pflanzen liegt derzeit ohne Biogasanlage bei unter einem Prozent, mit Anlage soll er bei unter fünf Prozent liegen und künftig durch Einsatz weiterer Energiepflanzen reduziert werden.Die Anbaufläche beträgt rund 600 Hektar. Die gesamte landwirtschaftliche Fläche um die Anlage beträgt rund 15.000 Hektar. Beschicker sollen rund 25 bis 30 Landwirte aus der Region sein.

 

Die entstehenden Gärreste sollen als organischer Dünger wieder auf die Äcker aufgebracht werden. Das Verkehrsaufkommen soll nach Auskunft der Betreiber bei rund 4000 Fahrten pro Jahr liegen. Darin sind aber die Fahrten zur normalen Bewirtschaftung der Felder (Düngung, Bearbeitung usw.) enthalten. Es werden landwirtschaftliche Fahrzeuge verwendet, Schwerlastverkehr soll nicht stattfinden, auch sollen Ortsdurchfahrten - wo möglich - vermieden werden. (ajh/Quelle: Juwi)     

 

(hier gehts zum Kommentar Progoellheims)

      

Quelle: Verlag: DIE RHEINPFALZ Publikation: Donnersberger Rundschau  

Ausgabe: Nr.135 Datum: Samstag, den 11. Juni 2011 Seite: Nr.13

"Deep-Link"-Referenznummer: '7771000' Präsentiert durch DIE RHEINPFALZ Web:digiPaper  

 

 

 

 

„So werden wir unabhängig von Putin und Co.”

INTERVIEW: Fred Jung und Jürgen Bohn von Juwi plädieren für die Göllheimer Biogasanlage - und beantworten einige kritische Fragen

 

Gegner der in Göllheim geplanten Biogasanlage haben in der RHEINPFALZ bereits ihre Sicht der Dinge vorgestellt, ebenso Vertreter der Landwirte, die die Anlage beliefern werden, und des Bauernverbandes. Um den Kreis zu schließen, soll nun auch der Betreiber, die Firma Juwi, zu Wort kommen. Anja Hartmetz sprach mit Vorstand und Mitgründer Fred Jung und Jürgen Bohn, Geschäftsführer von Juwi Bio. 

 

Wie bewerten Sie die Tatsache, dass die geplante Biogasanlage so viele Gegner hat? 

Jung: Wir verstehen, wenn Menschen Ängste vor etwas Neuem, Unbekannten entwickeln - und laden daher alle Interessierten nach Bischheim zu einer Besichtigung der dortigen Biogasanlage ein. Was Göllheim betrifft, können wir nicht viele Gegner erkennen. Es gibt einige wenige, die durch gravierende sachliche Falschdarstellungen Angst schüren möchten. Das beginnt bei den genannten Zahlen, die größtenteils aus der Luft gegriffen sind, und endet bei den Behauptungen hinsichtlich der Gesundheitsgefahren. Ich vermisse hier eine ehrliche Auseinandersetzung mit den Fakten dieser Anlage.

Bohn: Wir sind für alle konstruktiven Fragen offen und haben nichts zu verstecken. Aber wir wehren uns gegen irgendwelche wilden Behauptungen. 

Jung: Jeder will weg von der Atomindustrie, aber wo es konkret wird, greift mitunter das St.-Floriansprinzip. Die Anlage in Göllhein ist vorsichtig und weise geplant und genau die Lösung für die Zukunft unserer Energieversorgung.

 

Die Gruppe „Pro Göllheim” steht auf dem Standpunkt, dass der Bedarf an erneuerbarer Energie von Fotovoltaik- und Windkraftanlagen gut alleine gedeckt werden könnte, wenn der Wille vorhanden wäre, und dass Biogasanlagen nur wegen der hohen Subventionen betrieben würden.

Jung: Wir brauchen den regionalen Mix aller erneuerbaren Energien. Sonne und Wind allein reichen nicht zur Komplettversorgung. Anlagen wie die in Göllheim sind sehr wichtig, weil sie Strom erzeugen, der zu 100 Prozent regenerativ ist, weil sie regelbar sind, und weil das so erzeugte Gas gespeichert werden kann. Deshalb haben Biogasanlagen eine überaus wichtige Rolle bei der Versorgungssicherheit.

Bohn: Wir brauchen einfach eine Regelenergie, die auch dann Energie liefert, wenn beispielsweise Wind und Sonne das nicht können. 

Jung: Mit einer Speichertechnologie allein kann man Deutschland nicht komplett absichern. Wir brauchen einen breit aufgestellten Mix. Und da ist Biogas die wirtschaftlichste und sauberste Energie. Man darf nicht vergessen: Durch solche Anlagen werden wir unabhängig von Putin, Gaddafi und Co. Immerhin geben wir nach wie vor Milliarden für den Energieimport aus. Solche Anlagen erhöhen die regionale Wertschöpfung, bringen Arbeitsplätze sowie sauberen Strom, der langfristig auch für deutliche günstigere Preise sorgt.

 

Für den Klimaschutz sollen Biogasanlagen aber weitgehend sinnlos sein, sagen die Gegner... 

Bohn: Das stimmt nicht. 2009 wurden in Deutschland sechs Millionen Tonnen CO2 durch Biogasanlagen eingespart. Die Anlage in Göllheim wird unterm Strich voraussichtlich über 30 Millionen Kilowattstunden verwertbare Gesamtenergie pro Jahr produzieren. Pro Jahr vermeidet die Anlage den Ausstoß von Kohlendioxid in Höhe von 26.000 Tonnen. Soviel CO2 stoßen rund 1500 Haushalte aus, die fossile Energie, also Erdöl und Erdgas nutzen.

 

Was sagen Sie zu dem Vorwurf, die Göllheimer Anlage sei zu groß dimensioniert, sei im Grunde eine Industrieanlage, die daher auch in ein Industriegebiet gehöre?

Jung: Auch das entspricht nicht den Tatsachen. Es handelt sich um die kleinstmögliche Anlage dieser Art, die man im Moment wirtschaftlich sinnvoll bauen kann. Sie ist den örtlichen Rahmenbedingungen bestens angepasst.

 

Können Sie genauer erklären, von welche Art Anlage wir sprechen? 

Jung: Es handelt sich um eine Gaseinspeisanlage mit einer Leistung von 1500 Kilowatt elektrisch, die neben Gas auch Strom und Wärme für den Eigenbetrieb produziert. Das Gas wird in Erdgasqualität als Biomethan direkt in das Gasnetz eingespeist und steht dadurch jedem Gas-Endverbraucher als 100 Prozent saubere Energie zur Verfügung. Kleinere Hofanlagen von unter 500 Kilowatt hingegen produzieren fast nur Strom, die Wärme verpufft. Dadurch ist der Wirkungsgrad der Anlage sehr schlecht. In Göllheim dagegen ist durch die zusätzliche direkte Nutzung des Gases der Wirkungsgrad sehr hoch.

 

Warum kann eine solche Hofanlage ihre Wärme nicht einspeisen? 

Jung: Weil es für so kleine Anlagen keine bezahlbare Einspeisetechnik gibt. Die Technik ist für etwas größere Anlagen ausgelegt, die dann auch wirtschaftlich betrieben werden können. 

Bohn: Größere Anlagen als die in Göllheim geplante würden in der Gegend keinen Sinn ergeben, weil die Anbaudichte nicht hoch genug ist. Gerade mal zwei Prozent der landwirtschaftlichen Fläche um Göllheim würden für den Maisanbau genutzt. Von „Monokultur” kann man da nun wirklich nicht sprechen. Wir arbeiten eng mit den Landwirten zusammen. Es herrscht unter ihnen eine breite Zustimmung für die Anlage in Göllheim, die natürlich auch eine Stärkung der Landwirtschaft vor Ort bedeutet. 

Ihre Gegner sagen, Sie würden selbst Flächen kaufen. Stimmt das? 

Bohn: Das ist falsch. Lediglich der Standort der Anlage wird von der Betreibergesellschaft erworben, sonst nichts.

 

Haben Sie das auch den Gegnern der geplanten Anlage erklärt?

Jung: Ja, wir haben schon einiges erklärt und würden einen weiteren sachlichen, offenen Austausch begrüßen - am besten auf dem Gelände einer bereits bestehenden Anlage, zum Beispiel in Bischheim. Wir möchten die Realität begreifbar machen und nicht mit falschen Zahlen und Szenarien die Öffentlichkeit täuschen.

 

Stichwort falsche Zahlen: In Lautersheim war die Rede von 10.000 Fuhren pro Jahr, Tag und Nacht. 

Bohn: Es werden rund 4000 Fahrten pro Jahr sein, da ist die Gärrestausbringung auf die Felder bereits eingerechnet. Nachts wird nicht gefahren. Außerdem sind es sogar weniger Kilometer pro Tonne als bei Getreide- oder Zuckerrübentransporten.

Jung: Der Standort wurde so gewählt, dass es sehr wenige Ortsdurchfahrten hat. Die meisten Fahrten werden über Feldwege führen, nicht durch die Orte.

Bohn: Es ist auch falsch, von Schwerlastverkehr zu reden. Das sind ganz gewöhnliche Traktoren und Maismuldenkipper. Übrigens zerstören letztere die Feldwege nicht, wie behauptet. Mit ihren besonders breiten Ballonreifen schonen sie sie sogar, da sie weniger Druck ausüben als die üblichen Weizen- oder Zuckerrübentransporter. Der Transport direkt vom Feld in die Biogasanlage hat zudem noch den Vorteil, dass die Fuhren zum Hof zur Lagerung und dann zum Verarbeiter, wie beim Weizenanbau üblich, entfallen.

 

Was sagen Sie zu dem Vorwurf, in den Gärresten, die auf die Felder aufgebracht werden, seien Giftstoffe enthalten? 

Bohn: Gärreste enthalten die Nährstoffe der Pflanzen, aus denen sie entstanden sind. Punkt.

Jung: Gärreste sind höherwertig als klassischer Dünger, weil hier das Nitrat in gebundener Form vorhanden ist. Dadurch gelangt es direkt zur Pflanze. Man braucht keinen Mineraldünger, der im Übrigen von weit her transportiert werden muss. Auch die Geruchsbelästigung ist vernachlässigbar, insgesondere im Vergleich zur Gülle, die ja von den Biogasgegnern immer wieder propagiert wird.Werden Sie in der Anlage in Göllheim überhaupt keine Gülle verwenden? 

Jung: Es werden rund 5000 Tonnen pro Jahr sein, dies entspricht 12,5 Prozent der gesamten Substratmenge.

 

Was kommt außerdem noch hinein? 

Etwa 43 Prozent Mais, 20 Prozent Grünpflanzensilage, zum Beispiel aus Weizen, der nicht zur Ausreifung gelangt, dazu Anteile von Hirse und Luzerne in Höhe von 22,5 Prozent sowie Oberflächenwasser aus der Regenentwässerung und eventuell Rübenschnitzel.

 

Aus den Reihen der Gegner kommt auch der Vorwurf, bei der Planung der Anlage sei es zu Unregelmäßigkeiten gekommen. 

Jung: Das gesamte planerische Verfahren, die Abstimmung mit Ortsgemeinde, Verbandsgemeinde und Kreis hinsichtlich des Standorts, des Verkehrs, der Flächen und des Geruchs hat länger als ein Jahr gedauert, war sehr transparent und wurde von unabhängigen Gutachtern geprüft. Jetzt, wo die Anlage gebaut wird, kommen plötzlich Argumente, die jeder sachlichen Grundlage entbehren. Der Bau einer solchen Anlage ist ein notwendiger und wichtiger Schritt, um uns von Biblis und Cattenom unabhängig zu machen und unsere Zukunft zu sicher.

 

Quelle: Verlag: DIE RHEINPFALZ Publikation: Donnersberger Rundschau Ausgabe: Nr.112 Datum: Samstag, den 14. Mai 2011 Seite: Nr.16"Deep-Link"-Referenznummer: '7660102' Präsentiert durch DIE RHEINPFALZ Web:digiPaper

 

 

Donnersberger echo

Göllheim
    

Die Taktik war zu durchschaubar!

 

„Das Thema Krematorium dürfte in Göllheim durch sein. Zu befürchten steht allerdings, dass die unerfreulichen Machtkämpfe bei nächster Gelegenheit weitergehen.” - So war es zu lesen im Donnersberger Echo vom 15. Januar dieses Jahres, und leider hat sich die Befürchtung bewahrheitet. Der Beigeordnete Johannes Finck und einige Mitglieder aus seiner Fraktion der Freien Wähler haben die geplante Biogasanlage zum Anlass genommen, erneut einen Machtkampf anzuzetteln.

Wieder einmal. Dieses Mal mit der Taktik, im Rat weitgehend überall mitzustimmen, um dann außerparlamentarisch Stimmung zu machen. Übrigens - sinngemäß - mit der Begründung, im Rat seien einem ja wegen der Mehrheitsverhältnisse die Hände gebunden. In der Tat: Landläufig nennt man das Demokratie. Doch dieses Mal war wohl das berühmte eine Mal zu viel. Es kam tatsächlich zum Kampf - allerdings in der Fraktion selbst. Da hatten wohl manche Mitglieder, namentlich der Vorsitzende Wolfgang Driedger, keine Lust mehr, sich instrumentalisieren und vorführen zu lassen. Das Ende vom Lied: Finck und Gérard Graf sind ausgetreten (oder ausgetreten worden?) und stehen nun ohne Fraktion da. Ihre Taktik war am Ende wohl doch einen Tick zu durchschaubar.

Das hätten sie aber ahnen können. Schon beim Boykott der Gemeinderatssitzung, als es um die Entscheidung über den Anbau an den protestantischen Kindergarten ging, wurde ein Riss im vermeintlich so geschlossenen Gefüge der Freien Wähler sichtbar. Aus diesem Riss ist zum Schluss ein klaffender Abgrund geworden - mit der einzig folgerichtigen Konsequenz, dass Finck und Graf der Gruppe den Rücken zugekehrt haben. Vor diesem Hintergrund ist es dann auch alles andere als überraschend, wenn Eberhard Hartelt das öffentlich sagt, was viele längst gedacht haben: Dass es beim Kampf gegen die Biogasanlage am allerwenigsten um die Anlage selbst geht.Stellt sich die Frage, wie es nun weitergeht. Wenn es tatsächlich bisher die Politik von Johannes Finck war, bei jeder größeren Entscheidung im Rat die Machtfrage zu stellen, um so den amtierenden Bürgermeister zu Fall zu bringen, womöglich gar Neuwahlen mit einem Ergebnis in seinem Sinne zu erzwingen, dann dürfte er es jetzt ohne FWG-Fraktion im Rücken sehr viel schwerer haben. Auch die Waffe „außerparlamentarische Opposition” ist inzwischen stumpf geworden: Gegenüber den sachlichen Argumenten der künftigen Betreiber und Belieferer wirken die teilweise wirren, manchmal schlicht falschen, oft widersprüchlichen und deutlich erkennbar aus verschiedenen Internetquellen zusammenkopierten Argumente der Biogas-Gegner wie wilde Panikmache - was der Sache selbst nicht eben dient. Sollte sich diese Protestmaschinerie bei nächstbester Gelegenheit wieder in Gang setzen, wird sie ein massives Glaubwürdigkeitsproblem haben.   

 

Anja Hartmetz 

 

Quelle: Verlag: DIE RHEINPFALZ Publikation: Donnersberger Rundschau Ausgabe: Nr.112 Datum: Samstag, den 14. Mai 2011 Seite: Nr.15"Deep-Link"-Referenznummer: '7660384' Präsentiert durch DIE RHEINPFALZ Web:digiPaper

 

 

„Keine sachliche Auseinandersetzung mehr”

 

Interview: Die RHEINPFALZ spricht mit Göllheimer Landwirten und Vertretern des Bauernverbandes über die geplante Biogasanlage

 

Die Gegner der geplanten Biogasanlage in Göllheim sind im Augenblick sehr aktiv: Mit Stellungnahmen, in Infoveranstaltungen und im Internet werben sie für ihre Argumente. Die allerdings seien alles andere als sachlich, sagen die Befürworter. Anja Hartmetz sprach mit den beteiligten Landwirten Fritz Trump und Wolfgang Hartmüller, dem Kreisvorsitzenden des Bauernverbandes, Eberhard Hartelt, der selbst nicht zu den Beschickern gehören wird, und seinem Stellvertreter Gerold Füge, der Mitbetreiber der Biogasanlage in Bischheim ist. 

 

Gegen die geplante Biogasanlage wird im Augenblick heftig agitiert. Wie bewerten Sie das, was gerade in Göllheim passiert? 

Trump: Man weiß gar nicht, wie einem geschieht. Wir wollen kein Öl ins Feuer gießen, aber das ist keine sachliche Auseinandersetzung mehr.

Hartelt: Es geht in weiten Teilen ja auch gar nicht mehr um eine sachliche Auseinandersetzung. Wenn einige Gegner der Anlage agieren, dann ist dabei sehr viel Heuchelei im Spiel. Es geht ihnen darum, mit einem weiteren Projekt in Göllheim auch den amtierenden Bürgermeister zu Fall zu bringen.

 

Einer der Gegner der Anlage, so wie sie geplant ist, ist Johannes Finck, der 2009 bei den Bürgermeisterwahlen Dieter Hartmüller unterlag und jetzt erster Beigeordneter ist.

Hartelt: Ich halte sein Betragen, allen wesentlichen Standortbeschlüssen im Rat zuzustimmen und dann zum Beispiel in Lautersheim dagegen zu plädieren, für einen Skandal. Er handelt entgegen seinem Amtseid als Ehrenbeamter und sollte eigentlich zurücktreten.

 

Erklären Sie doch einmal kurz die Art und Funktionsweise der Biogasanlage, um die es geht.

Hartmüller: Es geht um eine Biogasanlage der Leistung 1,5 Megawatt, Betreiber ist die Firma Juwi. Es handelt sich um eine Nawaro-Anlage, also eine Anlage, die mit  

nachwachsenden Rohstoffen betrieben wird. Rund 25 Landwirte, deren Flächen in einem Radius von rund 8 km um die Anlage herum liegen, schließen mit Juwi Substratlieferungsverträge ab, um Mais, Hirse, Ganzpflanzensilage und enentuell Zuckerrüben zu liefern. Bis auf eine Ausnahme wird jeder Landwirt zwischen 5 und 20% seiner Wirtschaftsfläche dafür verwenden.

 

Die Gegner der Anlage warnen in Zusammenhang mit dem Material, das dort vergast werden soll vor einer Monokultur und den Folgeproblemen wie Verödung der Landschaft, Erosion, Wildschweinschäden.

Hartelt: Das ist ein riesengroßer Unsinn. Das kommt davon, wenn sich seine Informationen aus dem Internet zusammensucht und nicht bemerkt - oder auch nicht bemerken will-, das sich diese Informationen auf völlig anders strukturierte Regionen beziehen.

Trump: Für die Göllheimer Anlage werden pro Jahr rund 600 Hektar Fläche gebraucht, 420 Hektar sind bereits unter Vertrag, davon liegt der Maisanteil bei 320 Hektar, den Rest bilden Hirse und Grünpflanzensilage. Die gesamte landwirtschaftliche Fläche im Radius von rund 10 Kilometern um die Anlage beträgt aber 15000 Hektar. Allein darean kann man schon erkennen, das von Monokultur überhaupt keine Rede ist. Zu dem, was bereits jetzt an Mais angebaut wird, kommen im Eneffekt vielleicht noch 100 Hektar dazu, nicht mehr.

Das hat sogar den positiven Efekt, das die Fruchtfolge von Zuckerrüben und Getreide um die Komponente Mais erweitert wird.

Füge: Der Maisanteil an den Feldfrüchten in unserem Raum liegt derzeit bei unter einem Prozent, mit der Anlage wird er unter fünf Prozent bleiben. Es gibt in Deutschland andere Regionen, wo der Mais einen viel größeren Anteil an der Ackerfläche hat.Da kann es n der Tat zu Monokulturen komen.Offenbar haben die Gegner die dortigen Argumente gegen Biogas genommen und auf Göllheim übertragen.Seriös ist das aber nicht. Was mich ganz besonders stört: Wenige der Biogas- Gegner haben mal bei uns in Bischheim nachgefragt, was wir oder die Einwohner für Erfahrungen mit der Anlage gemacht haben. Da kam nichts.


  

Ihre Anlage ist doch aber deutlich kleiner, oder? Einer der Kritikpunkte in Göllheim lautet ja auch "Industriemäßige" Dimensionen.

Füge: Wir betreiben zur Zeit eine 500-Kilowatt Anlage elktrische Leistung. In Göllheim ist eine 1500-Kilowatt Anlage mit Gaseinspeisung geplant. Das ist weit entfernt von Industriemäßigen Dimension und etwa doppelt so groß wie unsere Anlage in Bischheim. Für eine Gemeinschaftsanlage ist das bundesweit sogar eher die unterste Grenze. Die größte Anlage hat meines Wissens 20.000 Kilowatt.

 

Wie sieht es mit der befürchteten Geruchsbelästigung aus?

Hartelt: Die von den Biogasgegnern zur Infoveranstaltung in Lautersheim geladene Expertin Claudia Ziegler hat es bestätigt: In keiner bestehenden Anlage mit nachwachsenden Rohstoffen ist es bisher zu Geruchsbelästigungen gekommen. Das sagt die Expertin, die sich die Gegner selbst eingeladen hatten!

Füge: Es stinkt nicht. Es kann jeder nach Bischheim kommen und das selbst nachprüfen. Auch wegen der Gärrestaufbringung hat sich noch niemand beschwert - und wir fahren direkt neben Wohngebieten aus. Eine geringe Geruchsbelästigung gehört aber zur Landwirtschaft und ist auch hinzunehmen.

 

Stichwort Gärreste: Die sollen ja nun, glaubt man den Gegnern, allerhand Giftstoffe enthalten... 

Füge: Das ist eine derart pauschale Unterstellung, das trifft bei einer Nawaro-Anlage nicht zu.

Hartelt: Was wir an so genannten betriebsfremden Wirtschaftsdüngern, wie eben Gärresten, ausbringen dürfen, ist gesetzlich streng geregelt, muss mit Analysewerten dokumentiert werden - und wird kontrolliert.
  

Füge: Wir machen regelmäßig Bodenproben, wir erstellen Nährstoffbilanzen...

Hartmüller: Wir bringen nur auf das Feld zurück, was vom Feld kommt - und sparen auch noch teure Mineraldünger, für deren Herstellung auch wieder Energie verbraucht wird.

Trump: Ein perfekter Kreislauf. Nährstoffe, die durch die angebauten Pflanzen entzogen werden, werden durch den Gärrest dem Boden wieder zurückgegeben.

Hartelt: Zersetzungsgifte aus Eiweiß können nur dort entstehen, wo Abfälle vergoren werden. Gerade solche Anlagen werden aber von den Gegnern befürwortet. Da müssen wohl noch ein paar Hausaufgaben gemacht werden!

 

Was ist mit der Unfallgefahr?

Füge: Wir werden regelmäßig von TÜV und Berufsgenossenschaft überprüft. Die Unfallsicherheit ist gewährleistet.
  

Trump: Die Gefahr ist nicht größer als in jedem Haushalt, in dem mit Gas geheizt und gekocht wird.

 

Kommen wir zu dem Thema, das die Emotionen am höchsten kochen lässt: dem Schwerlastverkehr. In der Info-Veranstaltung in Lautersheim sprach der dortige erste Beigeordnete Uli Bauer von 10.000 Fuhren pro Jahr - Tag und Nacht. 

Trump: Diese Zahlen sind deutlich zu hoch gegriffen und berücksichtigen nicht, dass erstens nur ein Teil des Transportes durch Ortschaften geht, der sich zweitens dann auch noch auf mehrere Ortschaften verteilt.

Hartmüller: Da muss man doch nur mal für eine Sekunde seinen gesunden Menschenverstand einschalten: Der Transport findet so oder so statt, ob wir Rüben in die Zuckerfabrik fahren, Getreide zur Mühle oder ins eigene Lager oder, wie in diesem Fall, Rohstoffe in die Biogasanlage. Dies passiert zum Teil mit den gleichen Fahrzeugen, Tonnagen und Achslasten.

Trump: In Wirklichkeit fallen doch sogar Fahrten weg: Getreide wird oft erst vom Feld auf den Hof und dann in die Mühle gefahren - macht statt einer zwei Fuhren.

Hartmüller: Was da behauptet wird - Tag und Nacht, das ganze Jahr über -, das ist doch völlig unrealistisch! Gefahren wird in der Erntezeit, Mais hauptsächlich zwei bis drei Wochen im September, nicht das ganze Jahr über.
  

Füge: Und Zuckerrüben werden auch jetzt schon nachts gefahren - von vielen, wie sie sagen, unbemerkt.

Hartelt: Müssen wir Bauern und jetzt von anderen sagen lassen, was gute und was schlechte landwirtschaftliche Transporte sind?

Trump: Außerdem werden nur etwa 20 bis 30 Prozent der Anfahrten durch die Ortschaften stattfinden - ansonsten werden Feldwege benutzt. Und für die muss, wie auch schon falsch behauptet wurde, nicht die Allgemeinheit aufkommen, sondern die Bauern selbst. Im Übrigen sind wir Bauern auch Bürger, wir zahlen Steuern und schaffen Werte. Jetzt engagieren wir uns für Biogas - als alternative Energieform immerhin angeblich von allen gewollt - und stehen plötzlich als die Buhmänner da. So langsam fragt man sich, was man eigentlich verbrochen hat.

Füge: Sie finden in ganz Rheinland-Pfalz keinen besseren Standort für eine Biogasanlage. Göllheim hat so viele Vorteile: kaum Viehhaltung, wenig Mais, es muss wenig durch Ortschaften gefahren werden, es sind generell kurze Wege, und es gibt genug Feldfläche für die Gärreste. Ich kann die Argumente der Gegner als Biogas-Betreiber beim besten Willen nicht nachvollziehen - es ist halt einfacher, sich im Internet irgendwelche Argumente zusammenzusuchen, als sich sachlich mit denen auseinanderzusetzen, die in nächster Nähe bereits eine solche Anlage betreiben.

Hartelt: Wenn man sich die Gegenargumente einmal genau betrachtet, bleibt nur ein Fazit übrig: „Biogas ja - aber nicht bei uns.” So ist eine Energiewende nicht zu schaffen!

 

Quelle: Verlag: DIE RHEINPFALZ Publikation: Donnersberger Rundschau Ausgabe: Nr.110 Datum: Donnerstag, den 12. Mai 2011 Seite: Nr.14"Deep-Link"-Referenznummer: '7654244' Präsentiert durch DIE RHEINPFALZ Web:digiPaper