Was ist Bio an „Biogas“?
 
Fachliche Abhandlung und Bewertung der Umweltwirkungen durch den Betrieb von Biogasanlgen und deren Beurteilung als Beitrag zur Energiewende.
 
Die Ausführungen erfolgen auf Basis der wissenschaftlichen Forschung, der profunden Agrar-Fachpresse, der ökonomischen und ökologischen Fachliteratur. Eingeflossen sind die Ergebnisse aus Fachgesprächen mit Landwirten und Wissenschaftlern, die ich u.a. im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit deutschlandweit führen konnte.  
Auch gesellschaftspolitische Aspekte müssen beim Thema Biogas ins Blickfeld rücken.
 

Der Biogas-Lobby ist es gelungen, die Politik und weite Teile der Bevölkerung mit dem „Bio-Label“ für die Förderung einer Energieart zu vereinnahmen, die im Falle von „Nawaro-Anlagen“, treffender als Trojanisches Pferd der Energiewende und des Klimaschutzes beschrieben werden kann.  

Anlass für die Behandlung dieses Themas im AK-Landespflege ist das Engagement der POLLICHIA gegen den Bebauungsplan Biogasanlage Göllheim, eine zwei  Megawatt Nawaro-Anlage, die 1.100 Hektar bestes Ackerland beanspruchen wird, für die Erzeugung von 45.000 Tonnen Substrate (Mais, Weizen und Zuckerrüben).     

Mit dieser Abhandlung will ich dem interessierten Leser fachlich fundierte Informationen zum Thema „Biogasanlagen“ anhand geben, als Hilfe bei der Entscheidungsfindung und der Diskussion der Thematik im öffentlichen Raum.
 

In Anbetracht von  6 geplanten Biogasanlagen im Donnersbergkreis, wovon  3 Anlagen schon in Betrieb sind, ist eine abwägende Diskussion dringend erforderlich.
 
Biogasanlagen in Verbindung mit größeren Tierbeständen und deren Nebenprodukte für die Substratlieferung, können einen sinnvollen Beitrag zur Energiegewinnung leisten. Insbesondere auch unter dem Aspekt, dass eine Tonne Mais durch zwei Tonnen Rindermist substituiert werden kann. Wichtig hierbei erscheint mir auch, dass die Bereitstellung der Gärsubstrate auf möglichst kurzen Wegen erfolgt.  
 
Unter dem Gebot der nachhaltigen Wirtschaftsweise1 und bei Abwägung aller Argumente unter Berücksichtigung neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse, ist die Verwendung von Biomasse aus Feldfrüchten (Nawaro) für die Erzeugung von erneuerbarer Energie generell abzulehnen. Bei Etablierung der Energieerzeugung aus nachwachsenden Rohstoffen im EEG (Erneuerbare Energien Gesetz) wurden die Anforderungen an den Schutz natürlicher Lebensräume, eine Abwägung der Flächen- und Nutzungskonkurrenz zwischen Energie und Nahrungsmittelerzeugung, nicht wirklich an den Maßstäben einer zukunftstauglichen Wirtschaftsweise geregelt. So sind auch die Parameter zur Bewertung der Effizienz, der Umweltwirkungen, der Veränderung der landwirtschaftlichen Strukturen und des ländlichen Raumes nicht ausreichend im Gesetz definiert.

Diese Art der Energieerzeugung ist ökologisch und ökonomisch eine Fehlentwicklung, weil die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit und die Biodiversität, ob der hiervon ausgehenden Nebenwirkungen massiv gefährdet sind und das Ziel der Reduzierung von Treibhausgasen mit der Produktion von Biomasse nicht erreicht wird.2

 

2 Anbau von Energiepflanzen - Faktoren und Folgen  

Im östlichen und südöstlichen Donnersbergkreis wird überwiegend eine viehlose Ackerbau-Landwirtschaft betrieben. Auf den Feldern stehen Getreide, Raps  und Zuckerrüben. Wertvolles Grünland und Feldfutterbau (Leguminosen) kommen selten vor. Schlimmer noch: Grünland wurde und wird umgepflügt, um Flächen für den Anbau von Energiepflanzen zu generieren. Verbote greifen nicht, weil vom Gesetzgeber keine wirksame Überwachung und Repression bei Umweltverstößen erfolgt.
Bei Realisierung der geplanten Biogasanlage kommt in diese monotone Fruchtfolge noch der Energie-Mais, also eine weitere Monokultur. (Fruchtfolge = zeitliche Aufeinanderfolge der einzelnen Kulturpflanzen auf dem selben Feld, unter Berücksichtigung von pflanzenbaulichen und  phytopathologischen Aspekten, zur Sicherung der Bodenfruchtbarkeit).  
Wissenschaftlich unstrittig ist, dass Monokulturen die Bodenfruchtbarkeit schädigen.
Es kommt insbesondere zur Minderung des Humusgehalts in der Ackerkrume, denn Mais und Zuckerrüben sind starke Humuszehrer. Die Bodenfruchtbarkeit nimmt stetig ab, da in Biogasfruchtfolgen die ganze Pflanze geerntet wird und fast keine
Pflanzenreste, z.B. Stroh, auf den Feldern verbleiben.
 

Die sind aber für die Erhaltung der Bodenfunktion dringend notwendig. Eine ausgewogene Rückführung von organischer Substanz, wie beim Stallmist, ist mit den Gärresten von Biogasanlagen nur begrenzt möglich. Die Erzeugung von Methan entzieht dem Substrat große Mengen Kohlenstoff, die im pflanzenbaulichen Stoffkreislauf auf der Fläche fehlen.  
 
Monokulturen führen zur Verbreitung von Pflanzenkrankheiten, Schädlingen und hier im Besonderen zu den für die menschliche Nahrungskette gefährlichen Fusarien, die Mykotoxine bilden.3

 

Zu hohe Anbaukonzentration und Auswahl ungeeigneter Vorfrüchte, gleichzeitig mit Stickstoff überdüngte Flächen, sind die eigentliche Ursache für die Ausbreitung von Krankheiten und Schädlingen  
 
Eine Anreicherung dieser für die menschliche Ernährung höchst gefährlichen Stoffe wird seit Jahren festgestellt und in Folge müssen Getreidemühlen kontaminierte Partien aufmischen. Dies gilt auch für Tierfuttermittel, weil Fusarien-Toxine für erhebliche Gesundheitsstörungen im Nutztierbereich verantwortlich sind.
 
2.  Die Ernte von Mais und Zuckerrüben erfolgt im Herbst, oftmals bei zu hoher Bodenfeuchte. Auch die Gärreste werden mit schweren Fahrzeugen ausgebracht und dies sollte wegen der Nährstoffaufnahme bevorzugt im zeitigen Frühjahr erfolgen.
 

Durch das Befahren durchfeuchteter Böden entstehen starke Bodenverdichtungen, die sich bei den sehr großen und schweren Maschinen auch nicht durch breite Reifen wirksam mindern lassen. Die Schäden an Feldwegen und Straßen, verursacht durch die Massentransporte mit sehr schweren Fahrzeugen, sind außerdem einer ökonomischen Betrachtung wert.
Infolge von Bodenverdichtung und Humusverlust tritt verstärkte Bodenerosion auf.
„Die Böden sind unsere wichtigste Ressource. Als wesentlicher Flächennutzer hat die Landwirtschaft eine große Bedeutung für die Erhaltung der Böden und ihrer Funktionen. Doch was liegt im Eigeninteresse der Betriebe und wann beginnt die gesamtgesellschaftliche Verantwortung? 4
    
3.    Ökologisch ist diese Art der Landnutzung der Supergau für unsere Kulturlandschaft und die Lebensräume von Pflanzen und Tieren. Die Artenvielfalt ist davon massiv bedroht und wird weiter abnehmen! Der Lebensraum für dort (noch) heimische Vogelarten (Rebhuhn, Feldlerche, Wachtel), für Feldhase und Feldhamster, für wertvolle Wildpflanzen wird mit dem großflächigen Anbau von Mais und Häcksel-Getreide weiter eingeschränkt. Im Versorgungsradius der Biogasanlage wird eine hochindustrialisierte Biomasse-Produktion etabliert – eine monotone Agrarlandschaft aus Mais, Zucker-rüben, Getreide und evtl. etwas Hirse, die mit einer auf  Umweltverträglichkeit und Artenschutz zielenden Landwirtschaft nichts, aber auch gar nichts zu tun hat. 5

 

„Was dem Klimaschutz dienen soll, schadet dem Artenschutz“ !
„In einer Studie für das Bundesumweltministerium haben die Biologinnen Petra Bernardy und Christa Dziwiaty die Auswirkungen von Biogasanlagen auf die Arten der Agrarlandschaften untersucht. Das klare Ergebnis:
 

Allen geht es schlecht im knallhart auf Ertrag getrimmten Energiemaisanbau. So wird Beikraut totgespritzt, weil es den Mais beim Wachsen stören könnte. Dabei ist es als Sichtschutz für die Nester von Bodenbrütern wie Ortolan, Braunkehlchen, Schafstelze, ... unerlässlich. Ohne Deckung wird das Gelege von Raubvögeln oder Füchsen geplündert. “ 6

Die Region um die geplante Biogasanlage Göllheim ist seit mehr als einhundert Jahren ein traditionelles Anbaugebiet für Zuckerrüben und wirtschaftlich eng verflochten mit dem Werk Offstein der Südzucker AG. Auf einem Drittel der guten Ackerflächen werden Zuckerrüben angebaut, die erst ab dem Hochsommer Deckung bieten. Kommen hierzu noch große Flächenanteile, die mit Mais und Häckselgetreide bepflanzt werden, sind die Restpopulationen von Feldhase, Feldlerche, Rebhuhn, Wachtel und Feldhamster dem Aussterben geweiht.
 

 

Energiepflanzen-Fruchtfolgen sind keine Habitate für die o.g. vom Aussterben bedrohten Arten. Dies belegen u.a. aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen zum Artenrückgang von Feldvögeln in der Feldflur von Sauerbrei et al.7

In der Dissertation wurden die Überlebenschancen für planungsrelevante Arten von Feldvögeln der Natura 2000 Richtlinie und der roten Liste Deutschland untersucht – in Abhängigkeit von der im Erneuerbaren Energien Gesetz vorgesehenen Reduzierung von Kohlenstoffdioxid mit Erzeugung von Biomasseanteilen für 2020; 2035; 2050. Dies wird zu großen Veränderungen der Agrarlandschaft und der Artenvielfalt bei Feldvögeln führen. Die Bundesregierung sollte das EEG in diesem Punkt dringend ändern. Nur der Kiebitz und die kleine Eule würden von der ausgedehnten Energiepflanzen-Produktion profitieren. Der Maisanbau wird zum Indikator der Avifauna 2050.  

Melanie Albert stellte Untersuchungen an zur Verbreitung des Feldhamsters in Hessen in Abhängigkeit von der Feldbewirt-schaftung. Hierzu wurden die Feldhamsterfunde für das Bundesland Hessen hinsichtlich des Einflusses spezifischer Feldfrüchte analysiert. Dabei konnte festgestellt werden, dass Getreide, insbesondere Winterweizen und Hackfrüchte einen stark positiven Effekt auf die Verbreitung der Art haben. Spätreifende Weizen ermöglichen dem Feldhamster einen Körnervorrat für den Winter anzulegen und Hackfrüchte bieten Deckung nach Aberntung der Getreidefelder. Einen stark negativen Effekt auf die Verbreitung der Art haben Energiepflanzen wie Raps, Mais und Häckselgetreide (GPS).

Tobias Reiners 9, arbeitet in einem Forschungsprojekt „Genetisches Monitoring des Feldhamsters“. Die von ihm etablierte, nicht-invasive Methodik wird nun für Unter-suchungen weiterer gefährdeter Feldhamster-Populationen genutzt. So führt  Senckenberg Forschung, Fachgebiet Naturschutzgenetik, in Kooperation mit nationalen und internationalen Partnern derzeit populationsgenetische Untersuchungen in Belgien, Niederlanden, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Hessen und Frankreich durch.
Auf Druck der Europäischen Kommission, Vertragsverletzungsklage  Kommission ./. Frankreich – und nach Urteil des EUGH Az.: C-383/09, vom 09.06.2011, werden mit Einsatz von Millionen Euro, im Elsass Maßnahmen ergriffen, um die letzten Feldhamsterbestände vor dem Aussterben zu bewahren.
 

Im Elsass, aber auch in der Südpfalz, wird dem Betrachter drastisch vor Augen geführt, wie Mais-Monokulturen Landschaft und Lebensraum negativ verändern.  

 

Die Region östlich von Göllheim ist ob der guten Bodeneigenschaften einer der sieben wichtigsten Feldhamsterstandorte in Rheinland-Pfalz. Das Plangebiet wird als Bereich mit „mittlerem Potenzial“ angegeben (Hamster-Verbreitungskarte von Hellwig 2002).  Die Auswertung aktueller Artdaten (ARTeFAKT), Landesamt für Umwelt, Wasser-wirtschaft und Gewerbeaufsicht Rheinland-Pfalz (2010) zeigt für das Plangebiet selbst keine Artenvorkommen des Feldhamsters an. Im Umkreis von 1,5 km wurden jedoch mehrere Nachweise erbracht. Abgesehen von der westlichen Gemarkung der Gemeinde Göllheim (Übergang zum Rotliegenden) sind die Böden am Standort und die Ackerflächen im weiten Umfeld der Biogasanlage potentieller Lebensraum für die Arten des Offenlandes und natürlich für den Feldhamster.
Der Anbau von Energiepflanzen auf einer Fläche von  1.100 Hektar würde die Habitate der letzten verbliebenen Feldhamster endgültig zerstören. Und für den konzentrierten Anbau der Energiepflanzen im Umfeld der Biogasanlage gibt es stichhaltige ökonomische Gründe.
„Der Feldhamster ist deutschlandweit stark gefährdet und vom Aussterben bedroht. Der aktuelle Erhaltungszustand ist als ungünstig einzustufen. Dies trifft auch für die Feldhamsterbestände in Rheinland-Pfalz zu. Eine weitere Beeinträchtigung der Populationen darf ohne entsprechende Prüfung und Ausgleichsvereinbarung nicht durchgeführt werden. Dies schließt für den Feldhamster auch die Veränderung der landwirtschaftlichen Nutzung ein.“ 9    
In diesem Zusammenhang muss die Frage gestellt werden, ob in der Planung der Biogasanlage Göllheim das Sondergutachten „Klimaschutz durch Biomasse“ des Sachverständigenrates für Umweltfragen Berücksichtigung gefunden hat?

Die Wissenschaftler fordern zur Ökobilanzierung von Bioenergie eine umfassende Betrachtung der Ökobilanz Lebenszyklusanalyse (LCA) der Biomasse, in die sämtliche Produktionsprozesse und die dabei entstehenden Emissionen und Umweltbelastungen einbezogen werden. Sie kritisieren in diesem Zusammenhang die besonders umweltschädigenden Qualitäten neuartiger Anbauformen und verweisen auf die Zunahme von risikoreichen, umweltgefährdenden Kulturen wie z.B. Raps oder Mais auf Kosten umweltfreundlicherer Anbauformen. Inzwischen werden sogar für die Kohlenstoffdioxid - Speicherung wichtige Vegetationen wie Grünland und Wald für die Erzeugung erneuerbarer Energien vernichtet. Dabei ist in Deutschland und Europa die Landwirtschaft wesentlicher Verursacher von Beeinträchtigungen von Boden, Wasser, Arten und Biotopen. Zudem ist sie auch noch Haupt-Emittent für die Treibhausgase Kohlenstoffdioxid, Methan und Lachgas.2
 
Die ethische Seite der Energie-Erzeugung aus Nahrungsmitteln ist eine Frage, die auch bedacht werden muss. Handelt es sich bei der Biomasseproduktion doch überwiegend um Produkte, die man als Tierfutter verwenden kann bzw. um Flächenumnutzung aus der Nahrungsmittelproduktion. Gleichzeitig nehmen wir über Importe von „Bio-Energie“ sowie von Futter- und Nahrungsmitteln, Flächen in Ländern der Dritten Welt in Anspruch, die dort dringend für die Ernährung der eigenen Bevölkerung benötigt werden.

Seit Jahren steigende Agrarpreise mit anhaltendem Trend, in Verbindung mit auf 20 Jahre gleichbleibenden Vergütungssätzen gemäß EEG, führen zu einem aktuell schwer kalkulierbaren Risiko für die Biomasseproduktion weil sich der Anbau von Nahrungs-mitteln für die Landwirte als weit lohnender erweist als der Anbau von energetisch verwertbaren Rohstoffen, mit langfristig bindenden Verträgen an den Betreiber der Anlage. Der aus dieser Konstellation entstehende wirtschaftliche Zwang Höchsterträge (t/ha) produzieren zu müssen, lässt die Hemmschwelle beim Einsatz von Dünger und Pestiziden sinken. Die Artenverluste werden sich deshalb noch verstärken.
 

 

Weil keine Nahrungsmittel sondern Energiepflanzen auf den Feldern angebaut werden greifen hier die Kontrollmechanismen aus der Nahrungsmittelproduktion nicht. Über kurze Zeit wird es vermutlich auch zur Verwendung von gentechnisch veränderten Pflanzen für die Biomasseproduktion kommen (s. hierzu auch Strobel, Vogler 2011 u. Hortmann-Scholten 2010)
 
Im Gärrest sind alle Rückstände von Substanzen enthalten, die zuvor auf dem Acker ausgebracht wurden.  Die Gärreste haben einen hohen ph-Wert, i.d.R. > 8, hieraus resultiert die Gefahr von hohen Ammoniak-Verlusten bei ihrer Lagerung und Ausbringung. Insbesondere bei Großanlagen trennt man die Gäreste inzwischen in eine feste und flüssige Fraktion. Im Feststoff liegt der Stickstoff zu ca. 50% in Form von Ammonium vor. Schon im Gärrestlager kommt es hier schon zu hohen gasförmigen Stickstoffverlusten. Außerdem emittieren Biogasanlagen die schädlichen und teilweise hochgiftigen Gase Schwefelwasserstoff, Schwefeldioxid, Methan, Lachgas und Kohlenstoffdioxid. (Beweis: u.a. Auflagen und Unfallverhütungs-Vorschriften der Berufsgenossenschaften).
Die Folgen für unsere Trinkwasserversorgung, den Artenschutz und viele weitere Lebensbereiche werden für unsere Gesellschaft gravierend sein. Was sich inzwischen in anderen Regionen Deutschlands mit entsprechender Dichte an „Biogasanlagen“ bestätigt.
 

Die Süddeutsche Zeitung hat die Problematik der überdüngten Felder, ob im Übermaß vorhandener Gülle, erneut ins Blickfeld gerückt (Ausgabe Nr.86, 12./13. April 2014).  Werden zur Abdeckung der Grund-Nährstoffe dann auch noch Sekundär-Rohstoffdünger (Klärschlämme u.a. Abfälle) ausgebracht, kommt es bei Überschreitung der erlaubten Ausbringmenge zu erhöhten Schadstoffkonzentrationen im Ackerboden. Die Schwermetalle und Arzneimittel-Rückstände finden wir anschließend in der Nahrungskette.

Welche Alternativen stehen uns für den Klimaschutz und den Umstieg auf die erneuerbaren Energieformen zur Verfügung?
     
Folgt man den Studien von deutschen Umweltverbänden, so muss die Zielrichtung ganz klar eine Förderung des ökologischen Landbaues sein.  
Diese Erkenntnis sichert sowohl den ökonomischen als auch den ökologischen Bereich. Hierzu liefert u.a. das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit folgende Argumente und Fakten zu „Ökolandbau fördern – steigende Nachfrage decken“12 :
 
„Der Biolandbau muss stärker gefördert und bestehende Hindernisse müssen beseitigt werden. Aus wirtschaftlicher Sicht spricht für den Biolandbau, dass er Folgekosten von Umweltschäden vermeidet und rund 30 Prozent mehr Arbeitskräfte als konventionelle Vergleichsbetriebe beschäftigt.“ Die agrarindustrielle Landwirtschaft vernichtet viele Arbeitsplätze, denn Kapital und Großmaschinen ersetzen hier menschliche Arbeitskraft.
Hierdurch wird sich die soziokulturelle Struktur des ländlichen Raumes nachhaltig verändern  
„..Ein unerbittlicher Konkurrenzkampf um Anbau und Düngeflächen mit Tierhaltungsbetrieben wird schnell auch die Wirtschaftlichkeit der Nawaro-Erzeugung beenden.... im Trend liegen Großprojekte und damit fließt zunehmend außerlandwirtschaftliches Kapital in erheblichem Umfang in die ländlichen Regionen und verdrängt dort den Einfluss traditioneller landwirtschaftlicher Betriebe.“ 12
Der großflächige Anbau von hochwachsenden Energiepflanzen zerstört für die Dorfbewohner ein Stück Heimat, denn Kulturlandschaft, die wir für ein gutes Lebensgefühl brauchen, lebt von der Vielfalt der Kulturen. Mit der Lebensqualität mindert sich der Wohnwert, es schwindet auch die Bindung zum Wohnort.
Politische Entscheidungen haben die Sachlage inzwischen grundlegend verändert und mit der Energiewende erfolgt auch parallel eine Abkehr vom bäuerlichen Familienbetrieb hin zum Agro-Unternehmer, bzw. zur Agrarindustrie.
 

Beleg dafür sind die verstärkte Aufmerksamkeit der Börsen für Agrarprodukte und die zunehmende Abwanderung von Boden aus bäuerlicher Hand und Kleinbesitz in Bodenfonds und Aktiengesellschaften. Hierzu haben „Handelsblatt“ und „Wirtschaftswoche“ in mehreren Beiträgen berichtet. Des Weiteren hat die ARD am 29.10.2012 unter dem Titel „Die Jagd nach Land -  Das globale Geschäft mit fruchtbarem Boden“ sich des Problems angenommen.
 
„Eine Förderung des Ökolandbaues hätte außerdem positive Folgen für die heimische Landwirtschaft und das Klima. Die Nachfrage nach Bioprodukten im Lebensmittelhandel ist groß und kann aus heimischer Erzeugung nur zu 40 Prozent gedeckt werden. Weil der Ökolandbau auf chemische Dünger und Pflanzenschutzmittel verzichtet und ökologisch bewirtschaftete Böden eine höhere Kohlenstoffdioxid Bindefähigkeit haben, weist er pro Kilogramm erzeugtem Getreide etwa  60 Prozent geringere Treibhausgasemissionen auf als die konventionelle Produktion“ 12
     
 Fazit
 
 Als Entscheidungshilfe für die Politik – auch für die Kommunalebene Gemeinderat, sollte die aktuelle Studie der Nationalakademie Leopoldina (Akademie der Wissenschaften) und deren Empfehlung Leitlinie sein.
Die Wissenschaftler der Akademie halten den Bioenergiesektor in Deutschland für eine Fehlentwicklung. Sie haben im Rahmen einer Lebenszyklusanalyse die Umweltrisiken beim großflächigen Anbau von Energiepflanzen untersucht und im Ergebnis eine vermeintliche „Klimaneutralität“ der grünen Energie festgestellt.
 
Die Wissenschaftler der Nationalakademie wissen in dieser Frage auch führende Wirtschaftsfachleute an ihrer Seite und haben sich von den vehementen Befürwortern nicht blenden lassen. In den Empfehlungen zur Verwendung von Biomasse als Energiequelle heißt es u.a.:
„Die Förderung von Bioenergie sollte sich auf Formen beschränken, die weder zur Verknappung von Nahrungsmitteln führen noch deren Preise durch Wettbewerb um Land und Wasser in die Höhe treiben. Darüber hinaus sollten diese Formen von Bioenergie keinen größeren Einfluss auf Ökosysteme und Biodiversität haben, und eine substanziell bessere Treibhausgas-Bilanz aufweisen als die fossile Energie, die sie ersetzen. Auch gilt es, die gesamte Breite der wertvollen Dienste zu respektieren, die Ökosysteme für die Öffentlichkeit leisten. Bei Importen von Biomasse oder Biomasseprodukten sind auch diese Aspekte zu berücksichtigen, da Importe das Problem nicht beheben, sondern in andere Länder tragen.“2
 
Mit dem Bau einer Biogasanlage der Leistungsklasse  2 Megawatt, werden 1.100 Hektar wertvolles Ackerland der Erzeugung von Nahrungsmitteln entzogen. Der Trend zur Errichtung dieser Großanlagen war bisher ungebrochen, weil die Förderbedingungen für die Realisierung mit Investoren noch günstig sind. Die Folge davon ist:
Lebensmittel-/Futtermittel und Pachtpreise steigen, die Erlöse der Gemeinden aus Jagdpacht werden eventuell gegen Null gehen, wegen der enormen Zunahme von Wildschäden durch Wildschweine, aufgrund des erhöhten Maisanbaus. Außerdem wird  die landwirtschaftliche Tierproduktion verdrängt – wandert ab in andere Länder und Arbeitsplätze gehen verloren.
Vermehrter Einsatz von Düngern und Pestiziden mindern die Luft- und Trinkwasserqualität. Wertvolle Lebensräume für Wildpflanzen und Tiere werden zerstört. Die Kontroll- und Überwachungsmechanismen der großen Lebensmittelhändler greifen hier nicht und die staatliche Kontrolle ist überfordert.
Pro Jahr müssen für die Ver- und Entsorgung einer Anlage dieser Größe 90.000 Tonnen Material durch unsere Dörfer rollen , die Lebensqualität und der Wert der Wohnungen wird dauerhaft gemindert, u.a. durch Lärm, Abgase und verschmutzte Straßen.
 
Als Ratsmitglieder entscheiden Kommunalpolitiker hier nicht nur für oder gegen eine Biogasanlage“. Sie entscheiden darüber, ob eine solch weitreichende und für unser aller Lebensumfeld folgeträchtige Weichenstellung an den Bürgern/innen vorbei beschlossen wird. Der Gemeinderat als die den Bürgern/innen am nächsten stehende politische Instanz hat hier die Möglichkeit den Weg für einen demokratischen Prozess, eine bürgernahe und mehrheitliche Bewertung zu ermöglichen.

Berücksichtigt man alle ökologischen Nachteile dieser Energieform, so muss man sie korrekterweise nicht als 
 

„Biogas-Anlagen“  sondern mit dem fachlichen Begriff,  
Agro-Methangas-Anlagen bezeichnen.
 

1  Brundtland-Bericht der UNO 1987
aktuelle Studie Nationalakademie Leopoldina
3  Neue Landwirtschaft Das Fachmagazin für den Agrarmanager.
 

    „Übergewicht hat Folgen. Zu hohe 

    Anbaukonzentrationen und ungeeignete Vorfruchtwahl sind die  

    eigentlichen Ursachen für Krankheiten und                      

    Schädlinge“ Deutscher Landwirtschaftsverlag Berlin Ausgabe  

    5/2003, Seite 40-43  
4  Christen Olaf, Vernachlässigt und verdrängt!? Boden:
 

    Fruchtbarkeit erhalten Mitteilungen Deutsche-Landwirtschafts-  

    Gesellschaft, Frankfurt/M, DLG-Mitteilungen  7/2011, S. 14-19   

Sigmar Ohliger, POLLICHIA Kurier Heft 1 Jan.-März 2011,  S.  

    33-34.
6   POLLICHIA Kurier, Heft 4  Okt.-Dez. 2010 Dr. Hans Schuh,
 

     Nachdruck aus DIE ZEIT , S. 40,2.9.2010
7   Sauerbrei et al. 12/2013, Increased energy maize production
 

     reduces farland bird diversity,  Universität Gießen,  
     Institut für Tierökologie und spezielle Zoologie
8   Albert, Melanie 2011, Verbreitung des Feldhamsters in Hessen
 

     in Abhängigkeit von der Feldbewirtschaftung,
     Universität Gießen, Institut für Tierökologie und spezielle
 

     Zoologie
9   Reiners, Tobias 2009, Einfluss von Landschaftselementen auf
 

     die Populationen Cricetus cricetus in Hessen
     Universität Gießen, Institut für Tierökologie und spezielle
 

     Zoologie
9   Reiners, Tobias et al. 2011, An optimized hair trap for
 

     non-invasive genetic studies of smal cryptic mammals,
     Senckenberg Forschungsinstitut Frankfurt/Gelnhausen,
 

     Conservation Genetics Group, persönliche Mitteilung
10 Strobel Martin, Vogler Sebastian, Schwachstellen aufspüren.
 

     Wie lässt sich die Rendite der Biogasanlage               
     verbessern? Wo lohnt es sich, am ehesten anzusetzen?
 

     Mitteilungen Deutsche-Landwirtschafts-Gesellschaft,
     Frankfurt/M,  DLG-Mitteilungen  5/2011, S 48-5
11 Hortmann-Scholten, Albert (2010)  Der Druck nimmt zu. Der
 

     Interessenkonflikt zwischen Tierhaltung und
     Biogaserzeugung verschärft sich. Mitteilungen-Deutsche-

     Landwirtschafts-Gesellschaft, Frankfurt/M  
     DLG-Mitteilungen Nr. 10/2011, S. 38-41
12 DIE KLIMA-ALLIANZ, Berlin, 2009, S.9, Bundesministerium für
 

     Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit

Weitersweiler, den 06. Juli 2014

Autor:
 

Bernhard Schmitt

Hauptstraße  15
67808 Weitersweiler
Tel. 06357-989202
Mail: Bernhard@schmitt-wtw.de

 

Quelle:

POLLICHIA-Kurier
Heft 3, Juli-Sept. 2014; S. 26-30