Johannes Eckhard,  

Dipl.-Ing.agrar

 Ebertsheimer Str. 3

67280 Quirnheim

 

 

Ortsgemeinde Göllheim

c/o.Verbandsgemeindeverwaltung

Freiherr-von-Stein-Straße1-3

67307Göllheim

 

 

                                                                                 05. November 2012

 

Bebauungsplan„Biogasanlage Änderung I“, Göllheim; Öffentliche Auslegung

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

zum Bebauungsplanentwurf „Biogasanlage, Änderung I“ möchte ich folgende Stellungnahme abgeben:

 

 

Ich lehne den Bebauungsplanentwurf Änderung I zur Göllheimer „Bio“gasanlage aus Effizienz-Gründen ab, weil diese Art von Anlagen – auch nach Meinung von Experten und Einrichtungen des Bundes – keinen sinnvollen Beitrag zur Energiewende leisten.

So kommt selbst das Johann-Heinrich von Thünen-Institut (vTI)  

/Bundesforschungsinstitut für ländliche Räume, Wald und Fischereials landwirtschaftliche Bundesanstalt zum dem Schluss: „NaWaRo-Biogasanlagen sind keine effiziente Klimaschutzoption, verteuern andere Maßnahmen des Umweltschutzes (FFH, Wasser-, Trinkwasserschutz).“  

Weiter kommt das Bundesforschungsinstitut (Johann Heinrich von Thünen-Institut) in seiner Studie „Bewertungder Leopoldina-Studie 2012 zur Bioenergie“ zu der Einschätzung:

 

„Die derzeitige Bioenergie-Förderung Deutschlands und die Bioenergieziele der EU sind kritisch zu hinterfragen, denn diese Politiken leisten nur geringe Beiträge zu den deklarierten Politikzielen, führen infolge der ineffizienten Förderung zu einer unnötig hohen Belastung der Volkswirtschaft und verursachen zum Teil unerwünschte Umweltwirkungen.“ Diese kritische Haltung wird an verschiedenenStellen der Studie weiter ausgeführt, wie den nachstehenden Textpassagen dieser Studie entnommen werden kann:

 

1) Auch das Politikziel „Ländliche Räume“ (Sicherung von Einkommen und Arbeitsplätzen im Ländlichen Raum) wird zur Legitimierung der deutschen Bioenergiepolitik ins Feld geführt und sollte in die Gesamtbewertung einbezogen werden. Die diesbezügliche Analyse führt jedoch zu keinem

guten Ergebnis. Bei hohen Erdölpreisen wird es nicht zu einem Brachfallen landwirtschaftlicher Flächen kommen, da sich die Agrarpreise weltweit an das hohe Energiepreisniveau ankoppeln, und deshalb führt die Bioenergiepolitik nicht zu einem „Erhalt“ der Landwirtschaft, sondern nur zu einer Verdrängung von Nahrungsmittelproduktion durch Bioenergieproduktion auf der ohnehin genutzten Agrarfläche. Das kann per Saldo zu einer negativen Arbeitsplatz-Wirkung in ländlichen Räumen führen, vor allem wenn die Tierhaltung ins Ausland verdrängt wird.

 

2) Unter dem Aspekt der Wertschöpfung sollte Deutschland besser der Nahrungsmittelerzeugung den Vorzug geben; der Energiemarkt ist ein typischer Massenmarkt, in dem auf Dauer deutlich geringere Wertschöpfungs- und Arbeitsplatzeffekte zu erzielen sind als z. B. in der Nutztierhaltung.

Daher spricht viel dafür, (a) keine weitere Expansion der inländischen Bioenergieerzeugung anzustreben ….

 

3) Die derzeitige Bioenergie-Förderung Deutschlands und die Bioenergieziele der EU sind kritisch zu hinterfragen, denn diese Politiken leisten nur geringe Beiträge zu den deklarierten Politikzielen, führen infolge der ineffizienten Förderung zu einer unnötig hohen Belastung der Volkswirtschaft und verursachen zum Teil unerwünschte Umweltwirkungen. Würden die ehrgeizigen Bioenergieziele der EU weltweit ausgedehnt, so käme es zu gravierenden Problemen bezüglich der Welternährung und des Umwelt-sowie Klimaschutzes.

 

4) Bei einer insgesamt eng begrenzten Flächenbasis führt die Herbeisubventionierung einer „falschen“ Bioenergie dazu, dass die Fläche dann nicht mehr für die volkswirtschaftlichsinnvolle Nutzung (z. B. die „richtige“ Bioenergie, Industriegrundstoffe, Nahrungsmittel) zur Verfügung stehen.

Betrachtet man die Errichtung der geplanten Anlage aus dem Blickwinkel der Schonung unserer Umwelt und unserer natürlichen Ressourcen, kommt man gleichfalls zu der Erkenntnis, dass Energie aus nachwachsenden Rohstoffen (Mais, Zuckerrüben, Gras etc.), wie sie auch in der Göllheimer Anlage zum Einsatz kommen sollen, eine vergleichsweise schlechte Öko- und Energiebilanz aufweisen. Allgemein ist zu bedenken, dass der Energiegewinn bei diesen Anlagen häufig nicht viel höher ist, als der Energieverbrauch, wenn entsprechende Transportwege für die Beschaffung von Gärsubstrat notwendig werden oder für den Anbau extensive Agrarflächen einer intensiven Nutzung zugeführt werden müssen.

 

Vorteilhaft erscheinen dagegen Anlagen die auf Reststoffen (aus Landwirtschaft und Landschaftspflege) und (Biomasse)-Abfallstoffen bzw. Wirtschaftsdüngern (Gülle) basieren. Faktisch stellen Errichtungund Betrieb der geplanten Anlage eine massive, unumkehrbare Fehlallokation von knappen Ressourcen dar, da sie auf die Einspeisung von nachwachsenden Rohstoffe angewiesen sein wird und folglich auch in Konkurrenz mit Flächen stehen wird, die dann für die Erzeugung von Nahrungsmitteln oder anderen wichtigen Industrie-Rohstoffen fehlt.

 

Heute besteht die Herausforderung darin, dass sich die Menschheit einen effizienten, nachhaltigen und ökologisch verträglichen Zugang zu regenerativen Energiequellen erschließt und bewahrt, der zudem ökonomisch und ethisch vertretbar erscheinet.  

 

Nach derzeitigem Stand der Wissenschaft wird hierbei die direkte Umwandlung von Wind- und Solarenergie in Elektrizität (eventuell über den Umweg Wasserstoff) auf lange Sicht wesentlich effizienter und kostengünstiger sein als die Nutzung der „Sonnenenergie“ (=Photosynthese) in Form von nachwachsenden Pflanzen (vgl. Seite 6; Bewertung der Leopoldina-Studie 2012 zur Bioenergie, vTI).

Ich würde es begrüßen, würde sich die Verbandsgemeinde Göllheim gegen die Errichtung der Anlage aussprechen und alternativ nachhaltige Energiekonzepte auf Ihrem Territorium etablieren.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Johannes Eckhard, Quirnheim