"Nachhaltigkeit mitnichten der Fall" oder  

"Dem Wohl der Gemeinde Göllheim dient die  

  Anlage nicht!"

 

Norbert Pasternack (SPD) ist von 21 Gemeinderatsmitgliedern der Einzige, welcher die Agromethangasanlage sehr skeptisch beurteilt und ablehnt.

Progoellheim sprach mit dem Gemeinderatsmitglied Herrn Norbert Pasternack (SPD) über die derzeitige Lage rund um die projektierte Agromethangasanlage.

 

Progoellheim: Dem aufmerksamen Beobachter der Diskussionen rund um die geplante Agromethangasanlage dürfte nicht entgangen sein, dass sie sich als einziges Mitglied, von wohlgemerkt 21 Gemeinderatsvertretern, gegen dieses Bauprojekt aussprechen.

Woher rührt ihre Ablehnung gegen dieses Bauprojekt?

 

Pasternack:

Wenn man sich mit dem Thema Energie und Energieerzeugung beschäftigt oder auch nur gut recherchierte Presseberichte liest, kommen automatisch Zweifel, ob der in Göllheim eingeschlagene Weg der richtige ist.

 

Progoellheim: War ihre ablehnende Haltung gegenüber dieser Agromethangasanlage von Beginn an oder erwuchs ihre jetzige Haltung erst im Laufe der Planungen?

 

Pasternack:

Zugegebenermaßen habe ich das Projekt anfänglich auch befürwortet.  

Biogas und erneuerbare Energien in Göllheim, gepaart mit der Erfordernis der Energiewende - das hört sich doch als Schlagwort ganz gut an.

Das Beschäftigen mit den kritischen Punkten kam im Laufe des Planungsfortschritts.

Da ich mich viel mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftige, habe ich mir irgendwann die Frage auch im Zusammenhang mit der Biogasanlage gestellt:  

Ist das nachhaltig, was wir hier tun?

 

Progoellheim: Zu welchem Ergebnis sind Sie bei der Beurteilung der Nachhaltigkeit gelangt?

 

Pasternack: Der Nachhaltigkeitsaspekt umfasst im Wesentlichen 3 Aspekte:

Die Wirtschaftlichkeit, die soziale Verträglichkeit und den Schutz der Umwelt.

Sehr schnell wurde mir klar, dass das soziale Problem, das aus dem Bau einer solchen Anlage resultiert, nicht vereinbar ist mit dem Gedanken der Nachhaltigkeit:

Nicht nur, dass die Energie in Folge der Subventionen teurer wird. Viel schwerer wiegt die Tatsache, dass wertvolles Ackerland der (globalen) Ernährungskette entzogen wird. Dies trifft nicht nur die Ärmsten der Armen in der 3.Welt, auch bei uns steigen die Lebensmittelpreise deutlich, was ins besondere Familien mit niedrigem Einkommen spüren werden.

Da tut es der Sache keinen Abbruch, dass die Göllheimer Anlage nur einen Bruchteil der Gesamtentwicklung ausmacht. Die grundsätzliche Richtung ist falsch!

 

Progoellheim: Wie beurteilen Sie die Belastungen für unsere Umwelt?

 

Pasternack: Die Umweltbilanz der Anlage vermag ich bei aller Information nicht zu beurteilen. Klar ist, dass der Radius der Zulieferung von landwirtschaftlichen Produkten (vorwiegend Mais) mittlerweile deutlich gestiegen ist. Die Überdüngung ist neben dem Verkehr sicherlich das Hauptproblem.

 

Ob die Anlage wirtschaftlich ist, sollte nicht mein Problem als Gemeinderat sein. Bei einem hochgradig subventioniertem Geschäft von Wirtschaftlichkeit zu sprechen, ist ohnehin schwierig. Leider werden Umweltbelastungen in Deutschland meist sozialisiert und nicht verursachergerecht umgelegt.

 

In der Gesamtbetrachtung sollten alle drei Faktoren erfüllt sein, damit man von Nachhaltigkeit sprechen kann. Dies ist bei der geplanten Anlage mitnichten der Fall!

 

Progoellheim: Woher haben Sie ihre Informationen über das Bauprojekt bezogen - ausschließlich Abwägungstexte der der Verbandsgemeindeverwaltung können Sie ja offensichtlich nicht bewogen haben gegen das Projekt zu stimmen!?

 

Pasternack: Als Ratsmitglied sehe ich es als meine Pflicht an, mich auch über den Tellerrand hinaus zu informieren, insbesondere wenn es um grundlegende Themen wie Energieversorgung geht. Auch im Interesse der nachkommenden Generationen. Die Abwägungstexte der Verwaltung konnten dieser Haltung nicht genügen. Vielmehr können Gesamtzusammenhänge zu diesem Thema der überregionalen Presse entnommenen werden. So hat z.B. auch die Zeitschrift der Spiegel themenbezogene Berichte veröffentlicht.

Als Ratsmitglied tut man zudem gut daran, sich auch mit kritischen Stimmen außerhalb des Gremiums zu beschäftigen.

 

Progoellheim: Im Laufe des Verfahrens haben gleich mehrere Gemeinderatsmitglieder, welche diese Anlage ablehnten, den Rat verlassen. Können Sie diese Rücktritte nachvollziehen?

Pasternack: Die Rücktritte kann ich nachvollziehen.Unehrlichkeit spielte hierbei eine Rolle. Für die betroffenen Personen war dies ehrverletzend.  

 

Progoellheim: Wie bewerten Sie die Informationspolitik zu diesem Bauprojekt? (Stichwort: neutraler Sachverständiger; "Verkaufsveranstaltungen")

 

Pasternack:

Eine neutrale Herangehensweise sieht sicherlich anders aus. Eine kritische Diskussion zu diesem Thema scheint nicht gewünscht, der Eindruck von Verkaufsveranstaltungen drängt sich auf. Hierzu passen die scheinbar vorprogrammierten Ergebnisse in den Abwägungsverfahren.

 

Progoellheim: Was ist Ihre Meinung, weshalb durchweg alle übrigen Gemeinderatsmitglieder, im Übrigen auch ihre Parteigenossen, trotz der zwischenzeitlich wissenschaftlichen Fehlbarkeiten dieser Agromethangas-Technologie und auch der ethisch-moralischen Problematik, konsequent an dem Bauprojekt festhalten?

 

Pasternack:

Nicht alle Motive sind nachvollziehbar, es dürfte sich um einen bunten Mix handeln. Der Zusammenhalt in einzelnen Gruppierungen spielt dabei eine Rolle. Auch wirtschaftliche Interessen von Parteifreunden (nicht nur auf Ortsebene) könnten maßgeblich sein. Mittlerweile geht es sicher auch um das Prestige und um die Frage, die Sache durchzuziehen.

 

Dem Wohl der Gemeinde Göllheim - auf das ich als Ratsmitglied verpflichtet wurde - dient die Anlage, im Gegensatz zur Windkraft, meines Erachtens nicht.

 

Progoellheim: Beim 1. Abwägungsentscheid, waren acht Mitglieder des Gemeinderats nicht anwesend. Haben Sie für diese doch sehr unterdurchschnittliche Beteiligung zu so einer weit tragenden Entscheidung für den Ort Göllheim eine Erklärung?  


Pasternack:

Erklären kann ich nur meine eigene Abwesenheit: Sie war beruflich bedingt.

Alle weiteren Erklärungsversuche gehen in den Bereich der Spekulation. Im Übrigen gibt es möglicherweise den ein oder anderen Vertreter, der nicht mehr zu 100 % zur Sache steht, sich aber der Parteidisziplin unterordnet.

 

Progoellheim: Haben Sie eine Erklärung dafür, warum es so viele Geschäftsleute oder auch Verwaltungsangestellte bei der Verbandsgemeinde Göllheim gibt, welche keine Einsprüche gegen diese Anlage geltend machen bzw. gemacht haben?

 

Pasternack:

Auch hier kann man nur Vermutungen anstellen. So könnten zum Beispiel Ängste eine Rolle spielen. Beispielsweise die Angst vor dem Auftragsentzug bei Geschäftsleuten oder vor Repressalien. 

 

Progoellheim: Wie stehen Sie zu der amtlichen Bürgerbefragung in Lautersheim?

Wäre das nicht auch für den Ort Göllheim und andere Gemeinden sinnvoll?

 

Pasternack:

Es wäre sicherlich spannend, eine aktuelle Einschätzung einzuholen. Bei der Rheinpfalz-Umfrage im Jahr 2011 ergab sich schon ein sehr differenziertes Bild. Nach der mittlerweile erfolgten Diskussion um den sozialen Sprengstoff (Tank oder Teller) dürfte sich das Stimmungsbild gewandelt haben. Niemand kann wollen, dass alleine aufgrund der Göllheimer Anlage tausende Menschen in der 3. Welt hungern oder verhungern.

 

Progoellheim:

Wie beurteilen Sie die Lage bei den Landwirten? Unbestätigten Berichten zur Folge sind bereits Landwirte aus den Lieferverträgen mit Juwi ausgestiegen, da sie zwar im vergangen Jahr ihre vereinbarten Maispreise von Juwi ausbezahlt bekamen, jedoch nicht an den Gewinnen von Juwi bei der Maisvermarktung (Welthandelspreis für Mais lag wesentlich höher als Garantiepreis von JUWI?) beteiligt wurden.  

Zum anderen wurde uns zugetragen, dass es bereits die ersten Querelen um die Pachtpreise - zwischen Groß- und Kleinbauern abgespielt haben sollen - wissen Sie Genaueres?

 

Pasternack:

Zu den konkreten Fragen liegen mir keine Informationen vor. Klar ist jedoch, dass auch bei den Landwirten ein harter Kampf zwischen familiär geführten Betrieben und der Agrarindustrie stattfindet.

 

Progoellheim: Worin sehen Sie noch Hoffnung, dieses Bauprojekt abzuwenden?

 

Pasternack: Es gibt verschiedene Faktoren, die den Lauf der Dinge verändern könnten. Vorrangig scheinen mir dabei eine mögliche Änderung des Erneuerbare Energien Gesetzes sowie das Klageverfahren der Gemeinde Lautersheim zu sein.

 

Progoellheim: Wir danken Ihnen für das Gespräch.

 

 

Interview geführt von Daniel Koch und Wolfgang Waltgenbach, Progoellheim