Argumente Pro & Contra NawaRo-'Bio'gasanlage    

 

Pro:

Die Erzeugung von “Bio”gas ist die einzige nachhaltige Energieerzeugungsart, welche speicherbar ist und uns den Ausstieg aus der Atomenergie ermöglicht, bzw. uns von Gasimporten ('Putin & Co.') unabhängig macht **

(Quellen: *Juwi-Präsentation in Rüssingen von Herrn Eberle,

** Rheinpfalz-Interview mit Juwi Vertretern Herrn Jung, Herrn Bohn v. 14.5.2011)

 

 

Contra:

Biomasse zur Energiegewinnung verbraucht zurzeit in Deutschland ca. 2 Millionen Hektar wertvoller Ackerfläche, bei einer Gesamtkapazität von 12 Millionen Hektar Ackerfläche unterteilt in die Kategorien:

 

Biomasseanbau Biogas                                    778.000 ha

Biomasseanbau Biodiesel                                940.000 ha

Biomasseanbau Bioethanol                              240.000 ha

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Gesamtsumme Biomasse für Bioenergie  1.958.000 ha  

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Ackerfläche gesamt Deutschland               12.053.000 ha

Grünlandfläche gesamt Deutschland          4.726.000 ha

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Gesamte landwirtschaftliche Nutzfläche    16.779.000 ha  

(Quelle: WWF-Studie 2011, Biogas-Energie im großen Sti(e)l , S.16)

  

'Biogas' leistet einen Beitrag von aktuell ca. 5 % zur Gesamtenergieerzeugung in Deutschland (Biomasseanbau Biogas).

Selbst optimistische Schätzungen gehen davon aus, dass der Anteil der Biomasse an der Energieerzeugung auf maximal 12% - 15% gesteigert werden kann.

Damit wird auch der vorhandene Vorteil der Speicherfähigkeit dieser Energieform, im Hinblick auf den nicht möglichen Ersatz schon allein der Atom und schon gar nicht der Erdgasenergieerzeugung durch importiertes Erdgas irrelevant, weil dafür schlicht  die Anbauflächen fehlen.

 

Betrachtet man die projektierte Göllheimer Methangasanlage im speziellen, so erkennt man folgendes:  

Der enorme Flächenverbrauch (mindestens 650 Hektar*) wertvoller Ackerfläche, sowie 4000 Fahrten** mit einem Transportvolumen von ca. 64.000 Tonnen (40.000 t Substrat + 24.000 t Gärrest) pro Jahr, werden zur Erzeugung von lediglich 1,5 MW elektrischer Energie benötigt.

 

Vergleicht man dann den Flächenbedarf der verschieden regenarativen Energieformen, unabhängig von der vielzitierten Speicherfähigkeit, so wird die Problematik in ihrem ganzen Ausmaß deutlich:

 

Windkraft*:     ca.0,2 Hektar,  bis zu  5    MW el. Energie

Photovoltaik* ca. 20 Hektar              1,5 MW  

 

( * nicht an landwirtschaftliche Nutzflächen gebunden,  vergl. Supermarktdächer, Überdachung v. Parkplätzen, bzw. Offshore-Windparks etc.)..  

 

Ackerfächen sind genauso wie fossile Brennstoffe endlich, deswegen ist diese Art der Energieerzeugung (neben den sonstigen Nachteilen) eben nicht die Zukunft, sonderen eine Sackgasse.

Wobei sich das Problem in Zukunft bei steigender Weltbevölkerung und steigendem Ernährungsdruck eher noch verschärfen dürfte. 

 

Die Firma Juwi AG betreibt vor dem Hintergrud dieser Problematik selbst ein sehr vielversprechendes Projekt in Moorbach, das wie wir alle hoffen, bis zum Jahr 2014 zur Marktreife gelangt und eben nicht auf Energiepflanzen angewiesen ist. 

 

"Die neue Speichertechnologie bietet für die Langzeitspeicherung von Wind- und Solarstrom nicht nur eine kostengünstige Variante, sondern auch die größten Speicherkapazitäten.

Die neue Technologie wandelt Wasser und Kohlendioxid (CO2) mit Hilfe von Wind- oder Solarstrom direkt in synthetisches Erdgas um: In der Elektrolyse wird im ersten Schritt Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt. Im zweiten Schritt wird der Wasserstoff mit CO2 direkt zu Methan (CH4) umgesetzt. Dabei steigt die Energiedichte um den Faktor 3 an und es entsteht ein marktfähiger und handelbarer Energieträger, der Erdgasqualität besitzt."

Quelle: juwi-Gruppe

 

Pro: 

Nachhaltige Energieerzeugung ist gegeben – es werden jählich Einsparungen von 26.000 Tonnen CO2 - durch die Göllheimer Methangasanlage erzielt.  

 

Contra:

Die CO2 Einsparung wird nicht um das propagierte Maß vermindert, da die Produktion des Substrates (Aussaat, Ausbringung von Dünger und Pestiziden), die Ernte, der Abtransport von Biomasse und Dünger zusätzlich CO2 erzeugen.  

Gänzlich unberücksichtigt bleibt die THG-Bilanz (Treibhausgasbilanz),  

denn beim Anbau und bei der Lagerung von Mais wird z.B. Lachgas freigesetzt,  

welches eine ca. 300-fache Klimaschädlichkeit gegenüber CO2 besitzt. Die angepriesene CO2 Neutralität dieser NawaRo-"Bio"gasanlage, ist schlicht falsch! (vgl. ebenso: Biogas und Klima, Dr. Murphy-Bokern) 

 

"Der Energieaufwand wird zur Abschätzung der Inanspruchnahme fossiler Ressourcen, CO2 wegen seiner Klimawirksamkeit bilanziert. Da CO2 nur ein klimarelevantes Gas unter mehreren ist, kann es sein, dass durch die Emission anderer klimawirksamer Stoffe (wie z.B. Methan) eine positive CO2-Bilanz reduziert wird. Hierdurch sind auch Unterschiede zwischen der Energie- und Treibhausgasbilanz zu erklären.  

Umweltbelastungen, die im Zusammenhang mit der Bereitstellung von „Nachwachsenden Rohstoffen“ zur Vergärung auftreten können, umfassen beispielsweise das aus Agrarökosystemen entweichende Lachgas (N2O), Biozide und deren Abbauprodukte oder die Naturrauminanspruchnahme für den Anbau (REINHARDT UND VOGT, 1997).  

Bei der Vergärung der Stoffe können unkontrollierte Methanemissionen die Bilanz er-heblich negativ beeinflussen."

Quelle: Biogashandbuch Bayern – Materialienband , Kap. 1.6, Stand März 2007

 

Pro:  

Wir haben es mit einer 100% sauberen “Bio”energiegewinnung zu tun, da die Stromerzeugung des anlageninternen Blockheizkraftwerkes lediglich für den Eigenbedarf der Anlage fungiert.

Kleinere Hofanlagen von unter 500 KW hingegen, produzieren fast nur Strom, die Wärme verpufft. 

 

Contra:  

Die saubere Energiegewinnung ist nur eine Halbwahrheit, denn hierbei unberücksichtigt bleiben die negative CO2 Bilanz, die Nitratbelastung unseres Trinkwassers, Bodenerosion, Belastung unserer Kläranlagen mit schwermetallversetztem Industrieabwasser.  

Ebenso stellt sich die Frage, was im Sommer mit dem eingespeisten Gas geschieht.  Wir gehen davon aus, dass die eingespeisten Gasmengen dann verstromt werden, hierbei unbeantwortet bleiben die Fragen nach dem Wo, dem Wie und dem Wirkungsgrad.  

Die angebliche Ineffizienz von kleineren Biogasanlagen spielt vergleichsweise keine Rolle, da oftmals eben sekundäre Biomasse (organische Abfälle, Schwachholz, Grünschnitt etc.)  zum Einsatz kommt, die sowieso anfällt und nicht seperat angebaut werden muss, insofern ist die Energieeffizienz geringer, jedoch wird dieses durch die Verwendung von sekundärer Biomasse und die dadurch wesentlich höhere Nachhaltigkeit, mehr als ausgeglichen. 

 

Pro:

Es werden Arbeitsplätze geschaffen, die Gemeinde Göllheim erhält Gewerbesteuer und die Wertschöpfung durch die Anlage verbleibt in der Region.

 

Contra: 

Der Firmensitz des Betreibers der Anlage, die „New Breeze GmbH u. Co. Green Power 46 KG“ (JUWI Tochtergesellschaft) hat ihren Sitz in Wörrstadt.  

Der Nutzen für die Gemeinde Göllheim ist daher auch vernachlässigbar. 

 

Das Argument der Gewerbesteuereinnahmen ist nur vorgeschoben, denn erstens ergeht eine Gewerbesteuerabgabe erst nach vollständiger Abschreibung der Anlage* (zehn bis zwölf Jahre) und zweitens, wenn nun in Göllheim eine Betriebsstätte wäre, würde die Gewerbesteuer im Verhältnis der Lohnkosten aufgeteilt, nicht der Arbeitskräfte, wie man vermuten dürfte.  

Wenn also in Göllheim ein oder zwei Menschen vielleicht einen Facharbeiterlohn beziehen, in Wörrstadt allerdings die Geschäftsführung ihren Sitz hat…

ohnehin setzt das voraus, dass auch die entsprechenden Erträge erwirtschaftet werden. 

 

Zudem verbleibt die hervorgehobene Wertschöpfung nur zu einem geringen Bruchteil in unserer Region, da 80 % des Anlageninvestitionsvolumens  

(ca. zwölf Millionen Euro) von anonymen Investoren (voraussichtlich Aktiengesellschaft, Großinvestoren = Renditejäger), folglich verbleibt die angepriesene Wertschöpfung, wenn überhaupt, nur zu einem geringen Anteil in unserer Region, dies wiederum setzt voraus, dass auch Investoren aus unserer Region kommen.  

* Angabe: Herr Zelt, Bauamt VG Göllheim, Gespräch vom 08.03.2011  

 

Pro:  

Die Anlage sichert unseren Landwirten ihre Existenz  

 

Contra:

Der Gewinn für die Landwirte ist äußerst fraglich. Es wird ihnen zwar vom Betreiber der Anlage für zehn Jahre ein fester Substratabnahmepreis zugesichert (ca. 1.800 € pro Hektar). Doch diese feste Preisbindung ist auch mit diversen Risiken verbunden – Stichwort Dürreperioden, Missernten, Getreidepreisentwicklung Weltmarkt, Gestellungskosten werden  steigen, gerechnet werden ca. 80-100 Liter Diesel pro Hektar zu bearbeitender landwirtschaftlicher Fläche  (1,20 € x 100 = 120€ Sprit) etc.  

Die Gewinnspanne ist zudem für Bauern relativ, betrachtet man sich die Spannweite der Getreidepreisentwicklung der vergangen Jahre.

Unberücksichtigt bei der Göllheimer Debatte bleibt, dass auch viele Kleinlandwirte, welche über nicht viel Ackerland in Eigenbesitz verfügen, mit den zwangsläufig steigenden Pachtpreisen der Großbauern (Substratlieferanten) nicht konkurrieren können, die Folge wären Insolvenzen und oder Kleinbauern, welche am Existenzminimum vegetieren.   

 

Pro:  

Geruchsgutachten für die umgebenden Ortschaften liegt vor.

 

Contra:  

Die tatsächliche Geruchsbelästigung geht jedoch von den Gärresten aus, hierfür gibt es keinerlei Gutachten.

 

Weitere Gegenargumente:

 

Ethisches Problem – wertvolle Lebensmittelanbauflächen werden durch Energiepflanzenanbau blockiert und lassen die Erzeugerpreise für Nahrungsmittel steigen.

Der Preisdruck auf die Nahrungsmittelpflanzenerzeugung steigt durch den konkurrierenden Energiepflanzenanbau stark an, da der  Anbau von Energiepflanzen weltweit, und nicht nur in Deutschland, sondern z.B. auch in den USA in den letzten Jahren stark zugenommen hat.

Die Preisbildung eines Gutes durch Angebot und Nachfrage, existiert für die Befürworter der Anlage nicht - es wird alles mit Hinweisen auf das "Verteilungsproblem" sowie die "Agrarsubventionen" geschoben.

 

Ackerfächen sind genauso wie fossile Brennstoffe endlich, deswegen ist diese Art der Energieerzeugung (neben den sonstigen Nachteilen) eben nicht die Zukunft, sonderen eine Sackgasse.(s.Downloads Wissenswertes/Handelsblatt)2.artikel 

Wobei sich dieses Problem in Zukunft, bei steigender Weltbevölkerung und steigendem Ernährungsdruck, eher noch verschärfen dürfte.

 

Nach der Atomkatastrophe von Fukushima machte Bundeskanzlerin Angela Merkel Klaus Töpfer zu einem der beiden Vorsitzenden des neu eingesetzten „Rats der Weisen“ zur Zukunft der Kernenergie.

Herr Prof. Dr. Töpfer äußert sich folgendermaßen im Hinblick auf

nachwachsendeRohstoffe - (NawRo):

 

"Überall dort, wo die Erzeugung von Energie aus Biomasse auch nur im entferntesten in Konkurrenz steht zur Nutzung von Biomasse zur menschlichen Ernährung, kann dies nicht verantwortet werden (…) “

 

Verringerung der Artenvielfalt der Flora und Fauna durch den Bonus für nachwachsende Rohstoffe (NawaRo).

Es entstehen vielerorts Monokulturen für Energiepflanzen, hauptsächlich Mais, 

dies wiederum erfordert den gesteigerten Einsatz von Pestiziden zur Schädlings- und Unkrautbekämpfung und zudem droht Bodenerosion. 

Vor allem regionale Imker und Ökolandwirte werden mit den Folgen des verstärkten Maisanbaues und des hohen Einsatzes an Insektiziden zu kämpfen haben.

 

Rückgang der Wohnqualität und des Fremdenverkehrs durch die Errichtung eines zweiten Industriegebietes. Stichwort: Industriegebiet Ost.  

Gerade die Landschaft östlich von Göllheim bietet für Wanderer, Radfahrer auch Reiter sehr schöne Ausflugsziele und ist als Naherholungsgebiet wertvoll.

Eine Errichtung einer industriellen Anlage zur Methangaserzeugung würde Göllheims Landschaftsbild dort enormen Schaden zufügen.

 

Ungeklärte Verkehrsbelastung durch nach wie vor unvollständige Anliefererverträge mit den Bauern.

Gefährlicher Verkehr auf unseren schmalen und kurvigen Hauptstraßen:  

Unsere Straßen sind für Schwerlastverkehr denkbar ungeeignet (Biedesheim, Lautersheim) und bieten ein immenses Konflikt- und Gefahrenpotential.

 

Die Anlage ist nicht nachhaltig, sie wird mit primärer Biomasse, mit Energiepflanzen, (gleichzeitig u.a. eben auch Futterpflanzen), welche speziell zu diesem Zweck angebaut werden, beschickt.  

Ursprünglich waren Biogasanlagen einmal gedacht für die Beschickung mit sekundärer Biomasse, also organischen Abfällen, Lebensmittelresten, Grünschnitt, Schwachholz, also Stoffen, deren Produktleben dem Ende zugeht, und nicht wie im Fall Göllheim überwiegend mit Ganzpflanzensilage und Energiemais  

(= nachwachsende Rohstoffe - NawaRo).

 

Verringerung der Verkehrswerte unserer Immobilien:

Das Bürgerwohl der Göllheimer, als auch der Bürger der umliegenden und somit unmittelbar betroffenen Ortschaften muss einen höheren Stellenwert haben, als die Renditeerwartungen bzw. die ausschließlich wirtschaftlichen Interessen der Investoren!  

 

Koch / Waltgenbach, Progoellheim

 

 

Weitere allgemeingültige Argumente  

  Argumentationsbroschüre